Wüste gesperrt – Nachtrag zum Sylvesterdrama (30.1.26):
Bei der Ausreise aus Tunesien im Hafen komm ich mit einem anderen Reisenden, etwa mein Alter, aus Deutschland ins Gespräch, was man alles so in Tunesien erlebt hat.
Unbedarft berichte ich ihm von meinen Erlebnissen, als ich über Sylvester in die Wüste fahren wollte, aber nicht durfte und wie ich die Nationl Guard ausgetrickst hab – siehe unten.
Durch seine Erlebnisse konnte er meine Geschichte vervollständigen:
Er war mit seinem Auto unterwegs und es haben sich ihm 2 Frauen, Ende 40 und Ende 30 Jahre alt, aus Deutschland mit ihrem G-Benz angeschlossen. Die Frauen waren ursprünglich mit jemand anderen unterwegs, hatten sich aber nach einem heftigen Streit von ihm getrennt. Jedenfalls sind die 2 Frauen und er übereingekommen, gemeinsam in die Wüste zu fahren um dort draußen ein paar Tage zu verbringen, kurz vor Sylvester. Laut seinen Angaben waren sie gut ausgerüstet, sowohl Material als auch Essen/Trinken.
Jetzt kommt die Mutter, 78 Jahre alt, einer der beiden Frauen ins Spiel! Bei der hatte sich folgendes Puzzle im Kopf zusammengesetzt: Streit, Fahrgemeinschaft aufgelöst, jetzt unbekannter Mann, in die Wüste, kein Kontakt mehr zu meiner Tochter! Was macht die Gute!? – sie ruft die deutsche Botschaft an: meine Tochter ist in der Wüste vermißt!
In der Wüste genießen der Mann und die 2 Frauen den Tag, als ein Hubschrauber plötzlich über ihnen kreist. Später kam ein Flugzeug, das immer engere Kreise zog und immer tiefer flog. Nach geraumer Zeit kam dann die National Guard mit 20 Mann und hat die 3 „Wüstlinge“ abgeholt und sicher zur nächsten Kaserne begleitet. Dort wurden die 3 erst mal verpflegt, es gab gebratene Kamelrippen. Auf die Bemerkung meines Gesprächspartners, daß ein 20 Mann starker Suchtrupp sehr aufwendig sei meinte der Chef der Kaserne: ‚das ist nur der eine Trupp, der 2. gleich starke Trupp ist noch auf der Rückfahrt‘!
Alles wurde von der National Guard mit unzähligen Fotos dokumentiert: die sichere Rückkehr in die Kaserne, die Verpflegung der verlorenen Touristen.
Die Frauen hatten dann die Auflage bekommen, sich ab sofort täglich bei der National Guard zu melden.
Die Auswirkung hatte ich ja selbst erlebt: Einfahrt in die Wüste für Touristen nur mit Guide.
Selten hat mich eine solche Story so amüsiert, ich als unbeteiligter konnt herzlich lachen. Was einem nicht alles passieren kann.
Geht doch! (16.1.26):
Ich steh am südlichen Ortsende von Hergla am Strand. Nachmittags kam die Polizei vorbei, klopft, stellt sich vor, frägt nachm Ausweis und ob ich hier übernachte, gibt mir noch die Notrufnummer. Ein kurzes und sehr freundliches Gespräch.
Nachts um halb zwölf, es klopft an der Tür. Schlaftrunken und genervt öffne ich nur das Küchenfenster. Diesmal ist es die National Garde, die meinen Ausweis kontrollieren will und mich frägt, was ich hier mache.
3x sind er oder seine Kollegen tagsüber an mir vorbei gefahren – jetzt in der Nacht wollen sie …, des kanns echt nicht sein.
Ich hab ihm gesagt, daß die Polizei eine Kopie meines Ausweises hat und ich mit der Polizei alles geklärt hab.
Er meinte darauf, daß dieser Platz in die Zuständigkeit der National Guarde sei und nicht der Polizei.
Ich hab ihn nochmal an die Polizei verwiesen, ihm einen schönen Abend gewünscht und mich bedankt, das Fenster geschlossen und die Verdunkelung heruntergezogen. Jetzt war ich gespannt was passiert, aber die National Guarde ist weitergefahren.
Am nächsten Tag hab ich den Standort gewechselt und steh jetzt im Norden von Hergla am Strand. 1 Stunde nach meiner Ankunft kam das gleiche Auto von der National Guarde wie in der Nacht zuvor. Sie waren bei den beiden anderen Autos hier am Platz, aber nicht bei mir – endlich Ruhe. Hat scheinbar gewirkt.
Später am Nachmittag kam zwar noch die Polizei, aber er wollt nur wissen, ob ich hier übernachten will und wie lange ich bleiben werde – alles super freundlich und freundlich, zu einer „christlichen“ Tageszeit!
„Na also, geht doch“ hat da Hauptmann von Köpenick gsagt.
Ölunfall (4.1.26):
Auf meinem Weg von Douz nach Kairouan komme ich irgendwo durch einen kleinen Ort. Die 2 spurige Straße ist tiefschwarz und 10 Personen versuchen eine schwarze Flüssigkeit mit Wasserschiebern von der Straße zu bekommen.
Während der Vorbeifahrt kann ich mir einen Reim machen: Aus einer großen Halle, offensichtlich eine LKW Werkstatt, zieht sich aus einem Einfahrtstor ein schwarzer Streifen auf die Straße und bedeckt beide Richtungsfahrspure. Offensichtlich ist eine größere Menge Altöl ausgelaufen und man versucht nun das Altöl von der Straße zu bekommen. Das Öl wird die Straße entlang geschoben und mittels Sandbarriere und ausgehobenem Graben von der Straße auf die nahegelegene Olivenplantage geleitet, wo es dann versickern darf.
Tja, so ist das Problem gelöst, is ja schließlich Bio, sind nur verrottete Pflanzenreste!
Kernenergie is ja jetzt auch umweltfreundlich, so hats unser EU Parlament schließlich beschlossen. Also was solls.
Nachtrag: Ich bin 3 Tage später nochmal an der Stelle vorbeigekommen und da war nichts mehr zu sehen: Gräben im Olivengarten zugeschüttet und nochmal mit der Egge drübergegangen. Auf der Straße auch gar nix zu sehen, keine schwarzen Überreste, als ob nie was passiert wär.
Abschied von Douz und andere Katastrophen (3.1.26):
Daß dieser Tag so heftig werden würde, hätte ich nicht erwartet!
Nachm Aufstehen schau ich noch kurz ins Internet und les von dem Brand in der Bar in Crans Montana, Schweiz, an Neujahr mit 40 Toten und 120 Verletzten!
Die ersten Opfer wurden identifiziert, eine Person 16 Jahre alt, 2 Personen jeweils 18 Jahren alt und einer Person 21 Jahren alt.
Ich nicht in der Lage weiterlesen, denn den Rest konnte ich erahnen, vorallem das, was nicht geschrieben stand. Ich weiß, was das für die Verletzten bedeutet.

Für 9 Uhr hatte mich mit Amin und Ghaith in einem Cafe verabredet.
Anas war schon wieder an der Uni und Hassem mußte arbeiten.
Nach all den Erlebnissen wollt ich nicht einfach wegfahren ohne mich zu verabschieden. Amin hat mir 3kg Datteln als Abschiedsgeschenk mitgebracht, echt Klasse.
Wir sitzten im Cafe, Amin is mitm Handy beschäftigt und sagt plötzlich: ‚die USA haben den Präsidenten von Venezuela entführt!‘ – mich hat der Schlag getroffen. Jetzt ist das neue Jahr noch nicht mal 3 Tage alt.
Verfällt die ganze Welt in 2026 in Anarchie? Was passiert als nächstes? – Grönland? Taiwan?
Gegen 14:00Uhr hab ich mich dann von den Beiden verabschiedet. Ich hatte eine tolle Zeit in Douz.
An einer der Tankstellen in Douz gibt es einen öffentlichen Wasserhahn, an dem die Leut Trinkwasser holen. Hier hab ich angehalten um noch meine Tanks vollzumachen. Ein Tunesier parkt hinter meinem Auto, kommt mit seinem Kanister und begrüßt mich auf Deutsch.
Er erzählt, daß er 8 Jahre in Leibzig gelebt hat und jetzt wieder nach Tunesien zurückgekehrt ist. Nach der üblichen Unterhaltung, woher, wohin, wie gefällts dir, frag auch ich ihn, wie ihm Deutschland gefallen hat. Da erzählt er mir folgendes:
Sein Sohn ist mit 3 Jahren in den Kindergarten gekommen. Jetzt im Sommer hat ihn die Erzieherin im Kindergarten angesprochen, daß sich sein Sohn nicht wie ein Junge benimmt und daß sie ihm dazu rät, den Sohn einer Geschlechtsumwandlung zu unterziehen!
Ich hab echt gedacht, ich hätt mich verhört! Ein 3 Jahre altes Kind!?
Douz (22.12.25 – 2.1.26):
Letztes Jahr hatte ich „Die Tramper“ (siehe gleichnamigen Bericht unter „Tunesien: 12.24 – 2.25“) in Douz mitgenommen: Amin und Anas.
Wir sind seit damals in Kontakt!
Am 20.12. begannen in Tunesien an den Universitäten die 2 wöchigen Winterferien und die beiden wollten die Zeit zuhause in Douz verbringen.

Tags darauf war ich dann bei der Familie von Amin zum Abendessen eingeladen. Es gab aus einer große Schüssel Tomatenspagetti mit Fleischstücken, Salat und Brot und für jeden eine Gabel. Nah dem Foto kamen noch 2 Brüder von Amin zum essen, so daß wir zu 6 um die Schüssel saßen.
Nachm Abendessen sind wir dann auf die Doppelhochzeit seiner Cousins.
Schon am Nachmittag habe ich die „Überstellung“ der Braut auf der Straße gesehen.


Sie hatten mich nach Douz eingeladen und so hab ich sie in Bizerte bzw. Tunis aufgesammelt, incl. deren Gepäck und wir sind gemeinsam nach Douz gefahren, mit Umweg. Douz liegt am Rand der Wüste und die beiden waren noch nie in den tunesischen Bergen.
Es war regnerisch, die Berge wolkenverhangen aber das war alles egal, denn es war was komplett Neues für beide. Danach noch ein Zwischenstopp am Wasserfall bei Beni Mtir, wo wir auch noch am Stausee angehalten haben und über die Staumauer gelaufen sind.



Als Mitbringsel hatte ich ein paar Gewürze in einem Korb mitgebracht, die von allen Gästen intensiv begutachten und geprüft wurden.
Offensichtlich war des so ok, denn es gab viel Lob.

Am nächsten Tag hab ich mich mal ein bisschen ums Auto gekümmern. Mir war auf der Fahrt nach Douz aufgefallen, daß ich den Turbolader so schön auslaufen hören konnte, wenn ich auf der Fahrt das Gas wegnahm. Nachdem das Fahrerhaus gekippt war hab ich schon von weitem gesehen, daß fahrerseitig im Motorraum alles verrußt is.
Diagnose: das Stahlflexrohr war an der Schweißnaht zum Flasch abgerissen – siehe Bild
Ich hab Amin angerufen, ob er ne Werkstatt weiß in Douz, in der ich den Schaden reparieren lassen kann: ‚Fahr in Douz zum Hauptkreisverkehr, dort erwartet dich Ghaith, dessen Onkel hat ne Werkstatt. Ich informiere Ghaith sofort, daß du kommst. Wie lange brauchst du bis dorthin?‘
Ghaith kannte ich aus Bizerte schon, denn ich hab auch sein Gepäck von Bizerte nach Douz mitgenommen.
Der Onkel von Ghaith hat mir angeboten das Rohr wieder an den Flansch zu schweißen. Ich hatte aber die Befürchtung, daß es auf die Dauer wieder abreißen könnte. Ich sagte, daß mir eine Rohrschelle lieber wäre. Er befand meine Lösung für gut und so hat er mir eine schöne breite Rohrschelle gebaut, mit Kragendurchstellungen an den Verschraubungslöchern. Abgedichtet haben wir das dann noch mit einem hitzebeständigen Auspuffband, das ich dabei hatte. Innerhalb von 45 Minuten war ich wieder aus der Werkstatt draußen. Perfekt.








Leider hab ich von der Blaskapelle kein Foto, die haben „when the saints go marching in“ gespielt
Zwischenzeitlich war ich dann doch schon ein paar Tage in Douz und so kam es zu folgender Situation:
Eines morgens sitz ich auf der Terasse in dem Cafe, rechts im Bild, am Tisch und trink meinen Kaffee. Daß ich Tourist bin haben alle anderen im Cafe natürlich sofort überrissen.
Kurze Zeit darauf kommt Ghaith aus seinem Laden nebenan zu mir an den Tisch, begrüßt mich, setzt sich dazu und wir unterhalten uns. Ihr könnt euch die Gesichter der übrigen Tunesier nicht vorstellen.
Plötzlich grüßt mich ein anderer Tunesier herzlich vom Nachbartisch. Ich habe ihn sofort erkannt und entsprechend zurückgegrüßt. Es war der Mechaniker aus der Werkstatt, in der ich den Schaden am Auspuff reparieren lassen hab. Ihr hättet jetzt die Gesichter sehen sollen.
Ich war noch ein paar mal in dem Cafe und ab seit dem hat mich jeder gekannt! Ich war nicht mehr der Tourist, ich gehörte dazu.


Nach erfolgreicher Reparatur vom Auspuff und ein paar Tagen in Douz bin ich für 3 Tage raus in die Wüste, ein bisschen im Sand spielen. Oh wie wunderbar, diese Ruhe, einfach nur der Wind und die Aussicht geniesen.

dann nur noch Piste
Silvesterdrama 2025:
Ich hab mir schon lange überlegt, was ich Silvester machen soll und vor allem wo werde ich es verbringen. Mein Entschluß war: ich verbringe den Jahreswechsel in der Wüste, mit Blick aufs Feuerwerk in Douz.
2 Tage vor Silvester schreibt mir Ghaith auf whatsapp, daß sein Cousin und er planen, Silvester in Ksar Ghilane zu verbringen und ob ich mitkommen will.
Gute Idee, warum nicht! Ob der Blick nach Douz oder Ksar Ghilane is mir eigentlich egal.

Ksar Ghilane ist eine heiße Quelle in der Wüste, in der man baden kann. Entsprechend wurde das Areal touristisch hergerichtet. Direkt neben der Quelle befinden sich Cafes und Andenkenläden, dahinter Hotels, Andenkenläden, Restaurants und Campingplätze. Ferner werden Quadtouren in die Wüste angeboten, Kamelreiten und diverse 4×4 Ausflüge zu den näheren und weiteren Sehenswürdigkeiten in der Wüste.
Ghaith und Hassem wollten am Nachmittag des 31.12. nach der Arbeit in Douz starten, auf der Straße die 140km zu fahren, um am frühen Abend in Ksar Ghilane einzutreffen.
Ich wollte schon einen Tag vorher Douz verlassen und in 2 Tagen die 80km nach Ksar Ghilane durch die Wüste zu fahren.
Meine Strecke führte etwa 30 km Richtung Süden auf der Straße aus der Stadt. Dort ist das „Cafe La Porte Du Desert“. Von dort sind es etwa 50km Piste zum Ziel, die ich vom letzen Jahr her schon kannte.
Diesmal stand aber am Cafe auch noch die National Garde (NG), stoppte alle Fahrzeuge und wollte das Permit, also die Erlaubnis sehen, um in die Wüste zu fahren.
Ich: ‚Was für eine Erlaubnis? Ich hab vor 3 Tagen keine Erlaubnis gebraucht und letztes Jahr auch nicht‘.
NG: ‚Für Silvester darf man nur mit Erlaubnis in die Wüste‘.
Ich: ‚Wo bekomme ich diese Erlaubnis.‘ – NG: ‚Im Büro der National Garde in Douz‘.
Na toll, also wieder 30km zurück nach Douz! – für eine Erlaubnis um in die Wüste zu fahren.
Alles diskutieren half nichts, er habe seine Anweisungen, niemanden ohne diese offizielle Erlaubnis in die Wüste zu lassen.
30 Minuten später war ich in Douz im Büro der National Garde: ‚Die Erlaubnis bekommen sie hier nicht. Sie müssen zu einer Agentur gehen, dort einen Reiseführer buchen, der dann die Genehmigung einholt und mit ihnen in die Wüste fährt.‘ Wie bitte, ich brauch auch noch nen Führer. Sicher nicht!
Ich hatte schon einen Plan „B“: unmittelbar nach Douz führt eine Piste raus in die Wüste, wenig befahren, denn die Touristentaxis fahren alle die ersten 30km auf Asphalt. Diese Piste würde mich in circa 8km Entfernung vom Posten an ihm vorbei führen, ohne daß er mich sehen kann.
Auf dem Weg zu dieser Piste bin ich noch an einer Agentur vorbeigekommen und hab mich erkundigt. Aber es war so kurzfristig nichts mehr buchbar. Hab ich mir schon gedacht und eh nicht gemacht.
Also hab ich meinen Plan „B“ in die Tat umgesetzt.
Unterwegs bin ich dann doch einer Patrouille der National Garde begegnet, aber die haben mich nicht angehalten und einfach ziehen lassen.
Es war dann noch ein bisschen verzwickt, von dieser Piste rüber zu wechseln auf die Piste nach Ksar Ghilane, aber letztendlich war ich nach einer herrlichen Nacht in der Wüste am nächsten Tag am frühen Nachmittag am Ziel.


Daß ich in der Wüste kein Mobilfunknetz hatte, hat mich nicht verwundert. Aber daß ich der Touristenhochburg Ksar Ghilane immer noch keine Verbindung bekam, das war ungewöhnlich. Also hab ich in einem der Hotels nachgefragt: ‚Hier funktioniert nur Telecom und Ooredoo, Orange funktioniert hier nicht‘. – Ich hab dieses Jahr Orange, letztes Jahr hatte ich Ooredoo. Ich brauch aber ne Verbindung, denn die anderen wissen ja nicht, wo ich in dem weitläufigen Ort bin. Also brauch ich ne andere sim-Karte.
‚Im Cafe gegenüber, die haben sim-Karten.‘ – ‚Nein, leider haben wir keine mehr, sind aus.‘
Der nächste sagt, es gibt hier keine sim-Karten. Ich frag mich weiter durch, bis jemand eine Telecom-Karte aus der Hosentasche zieht – Original verpackt. Also nur noch Guthaben aufladen und ich bin wieder online.


Ghaith und Hassem wollten gegen 15 Uhr in Douz losfahren und sich für die Fahrt von einem Bekannten das Auto ausleihen. Um 16 Uhr kam die Rückmeldung, daß ds mit dem Auto nicht klappt, sie konnten sich das Auto nicht leihen. Also haben sie sich von jemanden anderes ein Kleinkraftrad ausgeliehen.
Das alles hat natürlich die Abfahrt entsprechend verzögert.
Um 18 Uhr hab ich die Nachricht erhalten, daß sie jetzt Douz verlassen und sie spätestens um 20 Uhr in Ksar Ghilane sind.
An dieser Stelle muß ich nochmal ein bisschen die Situation erläutern: es ist dunkel, also ich mein so richtig dunkel. Die Temperatur liegen knapp über dem Gefrierpunkt. An vielen Mopeds funktioniert kein! Licht, also weder vorne noch hinten und Helm is sowieso überbewertet! – Bei der Kälte ohne Helm, den kalten Wind in die Augen und dann auch noch ohne adäquates Licht. – Die Jungs haben einen Höllenritt vor sich.
Um 19:30 Uhr bekomm ich ne Nachricht mit Standort: sie hatten 50km geschafft!
Um 20 Uhr die nächste Nachricht: in weniger als 1 Stunde sind sie da.
Um 21:45 hält ein Moped neben meinem Auto und was ich seh ist unvorstellbar, wie haben sie das alles nur aufs Moped gepackt: 2 Personen, das Zelt, die dicke Decke als Zeltboden, 2 dicke Decken zum Zudecken, Grillkohle und das Essen! – haben sie alles mitgebracht.
Vorsorglich hatte ich den Innenraum auf knapp 30° „vorgewärmt“, gekocht und gegessen haben wir dann doch drinnen bei mir – sogar ne Tischdecke hatten sie dabeigehabt! Der Stimmung hat das alles keine Abruch getan. Es war einfach fantastisch.
Wir sind noch bis 2 Uhr zusammengesessen und am nächsten Tag um 8 Uhr sind wir schon wieder los in ein Cafe zum Kaffeetrinken. Man stell sich vor, die Jungs hatten am Vortag noch bis 15 Uhr gearbeitet und dann knapp 4 Stunden aufm Moped, durch Nacht und Kälte – da Hammer.
Na gut, früher konnte ich das auch!
Am Nachmittag sind sie dann mit mir zurückgefahren nach Douz, auf der Straße. Beide sind im Auto eingepennt.
Das Moped haben sie über Verwandte auf nem Pickup zurück nach Douz geschickt.

Zum Abendessen war ich am Neujahrstag noch bei Amins Familie eingeladen. Das war der passende Abschluß eines bombastischen Tages. Es gab in Butterschmalz angerößtetes Brot mit viel Zucker und Datteln darin. Dazu Sauermilch. Klasse!
Läßt sich vergleichen mit Kaiserschmarrn.
Landestypisch sitzen wir am Boden und essen mit den Finger aus der Schale.
Rechts im Bild steht ein Tontopf mit Grillkohle, zum Tee aufbrühen.
Vielen herzlichen Dank für alles, liebe Familie Abdelaali
Übrigens:
Gefühlt vergeht kein Tag, an dem ich nicht gefragt werde: ‚Hast du alles, brauchst du etwas, wenn du Probleme hast, melde dich, ich helfe dir.‘
Ich steh am Straßenrand um meine weitere Route zu planen. Plötzlich hält ein Auto neben mir: wie lange bleibst noch hier, bist du in 20 Minuten noch hier, ich fahr nur schnell nach Hause, ich möchte dir unbedingt etwas schenken. 15 Minuten später ist er zurück und schenkt mir Süßgebäck und 2 Liter Olivenöl.
Irgendwann komm ich zurück zum Auto und finde diesen Zettel an der Windschutzscheibe.
Die tunesische Telefonnummer hab ich hier im Bild unsichtbar gemacht, is ja logisch.
…. und so gehts fast ständig.

Chebba (8.12.25): Akim, ein Tunesier in Deutschland
Ich steh am Strand, am frühen Nachmittag klopft es an der Tür: ‚Hallo, ich bin Tunesier, aber ich lebe in Dresden und ich freue mich hier jemanden aus Deutschland zu sehen‘ – Akim und ich kommen ins Gespräch. Ob ich etwas brauche, ob ich genug Wasser habe. Er erzählt mir wie er vor 10 Jahren nach Europa gekommen ist, daß er 200 Liter Bezin gekauft hat und mit seinem Fischerboot nach Lapedusa gefahren ist, 5 Jahre in Italien war und jetzt als Polier arbeitet und mittlerweile eine Frau aus Deutschland geheiratet hat. Er will mir unbedingt das Haus seiner Eltern zeigen und mich ihnen vorstellen und er lädt mich ein, zum Abendessen bei seiner Familie. Wir fahren mit seinem Auto zum alten Elternhaus, in dem er aufgewachsen ist. Hier sind seine Schwestern und Cousinen mit der Olivenernte beschäftigt. Weiter gehts zum neuen Elternhaus. Seine Mutter ist es anfangs ein bisschen peinlich, weil nicht aufgeräumt ist. Akim ruft seinen Vater an, der kommt mitm Moped nach Hause. Wir sitzten im Wohnzimmer, bei Brot, Olivenöl, Datteln und süßem Gebäck und unterhalten uns über alles mögliche.
Nach insgesamt 2 Stunden drängt Akim zum Aufbruch. Er packt eine 2 Literflasche Olivenöl ein, fährt mit mir in die Stadt, kauft dort ein ganzes Grillhendl mit Salat, Kartoffeln und Brot. Zurück am Strand drückt er mir das alles in die Hand mit den Worten: ‚Entschuldige bitte, aber ich muß im Nachbarort etwas erledigen, ich hatte dich zum Essen eingeladen, darum habe ich dir das gekauft.‘ Er gibt mir noch seine Nummer: ‚Wenn du irgendetwas brauchs oder Probleme hast, dann ruf mich an, auch wenn ich schon zurück in Deutschland bin. Ich kann dir weiterhelfen.‘
Oh wie schön ist doch die Welt!

Ich laß mich treiben (20.11.- 8.12.25):













8.12.: Ich hab am Strand von Sfax auf nem Parkplatz übernachtet. Um 1:30Uhr klopfts an die Tür. Ein Tunesier steht draußen und fängt auch gleich auf englisch zu sprechen an. Schlaftrunken hab ich verstanden: sein Auto springt nicht an, ob ich ein Überbrückungskabel hätte. Ich habe verneint, weil ich 24V hab und geh wieder schlafen.
Um 7 Uhr morgens klopft er wieder. Jetzt verstehe ich auch sein Problem. Er hat sich am Strand in Sand festgefahren und frägt, ob ich ihn rausziehen kann. Aber klar doch. Ich fahr über die Strandpromenade auf den Strand, hol nen Gurt ausm Auto und befestige diesem am Schäkel. Er schnappt sich das andere Ende und knotet es am Auto fest. So werd des nix! – erstens hält des ned, zweitens is mir mein Material zu schad und drittens mach des glei gscheid. Also noch einen Schäkel, PKW-Size, rausgekramt und des Auto rückwärts auf die Strandpromenade gezogen. Er wollt komplett raus ausm Sand. Kann ich verstehen, denn es war eine lange und kalte Nacht für ihn.
Beim Zusammenpacken ist mir dann noch aufgefallen, daß ich das Pflaster von der Strandpromenade, bzw. den Untergrund dafür, nochmal ordentlich nachverdichtet hab! – siehe Bild
Naja, ich wollt ja sowieso abreisen.


Es gab Nougatbissen und Nußmakronen –
ein bisschen Heimatfeeling muß schon sein










Erste Abenteuer (17.-21.11.25)
1. Tag: Geld wechseln, sim Karte holen, Einkaufen
2. Tag: Abends kommen ein paar Leute ans Auto: so wollen ein Musikvideo drehen und suchen nach einer Location, ob sie in meinem Auto drehen dürfen, nur der Künstler und der Kameramann würden reinkommen – ach warum nicht!
Hier das Ergebnis: https://youtu.be/fUpQ74xhj-s?si=o2oFag8uVgIleK91
Ein Freund von mir sagte dazu: „Hast du Ratten in deinem Auto?“
3. Tag: eigentlich wollt ich nur tanken fahren! Ich bin zu einer Tankstelle, die ich vom letzten Jahr her schon kenne. 60 Cent pro Liter, trotzdem warens dann 1200TDn, ca. 400,-€. Aber der Berzahlvorgang mit VISA wurde abgebrochen. Über die deutsche Sim-Karte kommt ne SMS vom Kartenanbieter rein: „es wurde versucht …, kennen sie diesen Vorgang, so antworten sie mit ‚ja'“ – „in 5 Minuten können sie ihre Zahlung tätigen“.
Nix geht, nach 10min, nach 20min, nach 30min. Rückfrage beim Kartenanbieter: also mit der Karte is alles in Ordnung, sie müßten bezahlen können.
Aufgefallen ist mir, daß der Tankstellenbesitzer schon die ganze Zeit was faselt von ‚international card‘, letztes jahr hats funktioniert, ach keine Ahnung.
Soviel Dinar hab ich jetzt auch ned, also ab zum Automaten: der Tankstellenbesitzer, ein Mitarbeiter (der spricht fliesend deutsch) und ich.
Auf der 4 km Fahrt zum Geldautomaten fällt mir Richtung Strand eine Sattelzugmaschine auf, die sich im Sand festgefahren hat und 6 Mann am ausgraben sind. Die Leute schauen mir sehnsüchtig hinterher, aber ich kann grad ned.
Nachdem ich den Tankstellenbesitzer sein Geld gegeben hab frägt er mich, was ich jetzt mache. Ich antworte ihm, daß ich ihn zur Tankstelle zurückbringe und dann zu dem LKW fahr um ihn rauszuziehen. ‚Ich soll gleich zu dem LKW fahren, er kommt mit‘. Ich sag noch, daß das jetzt mindestens eine Stunde dauern wird. ‚des wär schon in Ordnung‘.
Vor Ort (hab leider keine Bilder gemacht): ein Händler von Renault Trucks hat Kunden aus Lybien eine neue Sattelzugmaschine verkauft. Da er gleichzeitig Kurs für Offroadfahren mit LKW gibt, sind sie zu einer Lehrstunde in den Sand am Strand gefahren. Die Klarsichtüberzüge noch über den Sitzen, keine Ausrüstung dabei, Luftdruck an der Vorderachse extrem weit abgelassen, so daß sich links der Reifen von der Felge gezogen hat, versuchten sie seit knapp 2h das Auto mit den Händen auszugraben und zu befreien.
Hinten war keine Öse für das Windenseil, nur vorne. Dann nach vorne ziehen, macht man zwar nicht, aber noch weniger legt man Gurte und Seile über scharfkantige Metallteile.
Nachdem die Vorderreifen ausm Loch waren haben sie versucht, den Reifen wieder auf die Felge zu ziehen, was nicht gelang.
Der Plan war nun, die Zugmaschine komplett aus dem Weichsand zu ziehen, mich zu entlassen, das Rad zu demontieren, in ner Reifenbude den Reifen auf die Felge montieren zu lassen, dann das Rad wieder ans Fahrzeug um dann den Strand aus eigener Kaft zu verlassen – inshallah! So haben wir den LKW schön über den luftleeren Reifen gezogen, der danach nicht mehr gut ausgschaut hat.
Während ich eingepackt hab, hab ich noch mitbekommen, daß der Wagenheber, zum Demontieren des Rades, seine Dienst versagt. Das soll jetzt der Service-PKW von Renaut Trucks übernehmen, daß er jetzt noch alles Notwendige hin und her fährt.
P.S.: endlich is wieder action angesagt, wie hab ichs vermißt
Die Einreise (16.11.25)
Abfahrt von Genua, 15.11.25, 15.00Uhr, ich bin um 11Uhr in den Hafen rein, es gießt aus Eimern, Straßen waren wegen Überflutung gesperrt.
Das Schiff legt pünktlich ab.
Ankunft in Tunis, 16.11.25, geplant 16.45, tatsächlich 14Uhr!
Das Procedere:
– die Polizeikontrolle:
das ist einfach, ein Hafenmitarbeiter lotst die Autos auf eine Kontrollspur, anstellen, ein bisschen Palaver mit dem Polizisten, Stempel, fertig!
– der Röntgenscanner:
noch einfacher, wieder eine spur zugewiesen bekommen, durchfahren, fertig!
ab jetzt wirds interessant, am zugewiesenen Platz Auto abstellen und weiter gehts zu Fuß:
– der Zoll Teil 1:
in einem der Büros wird das Auto in den Paß eingetragen, der Zöllner stempelt den Paß und trägt das Kennzeichen ein und schickt einem zum nächsten Schalter (am anderen Ende der Halle)
– der Zoll Teil 2:
hier bekommt man das Erlaubnispapier, daß man sein Auto in Tunesien auch benutzen darf, also in der Schlange anstellen, 15min später frägt die Beamtin am Schalter nach dem QR-Code, den du nicht hast. Sie schickt dich an den Infoschalter (am anderen Ende der Halle), anstellen, 5min später tippt der gute Mann eine Internetadresse in dein Smartphone und du kannst jetzt online den Fiche ausfüllen, für den QR-Code. Damit dann zurück zum Schalter (am anderen Ende der Halle), anstellen, die Dame scannt den QR-Code und hat die Daten im Rechner, druckt ein Papier aus, die Erlaubnis in Tunesien dein Auto zu benutzen
– der Zoll Teil 3:
jetzt suchst du dir einen Zöllner, der grad frei ist und Lust hat, damit er die eigentliche Zollkontrolle am Fahrzeug macht, ein bisschen Palaver, ein bisschen Fahrzeugbesichtigung, frägt nach ausergewöhnlichen Dingen die im Auto sind, nach einer Drohne, du schüttelst den Kopf, er nickt, erkritzelt irgendetwas auf den Durchschlag des Durchschlags der Erlaubniss, fertig.
– Endkontrolle:
mit dem Auto Richtung Ausfahrt, dort wird der Pass und die Erlaubnis kontrolliert und damit bist du 2h später in Tunesien eingereist – welcome to tunesia

Dankeschön, diese Informationen können wir nächstes Jahr sicherlich gebrauchen.