Die Ausreise (1.3.25)
Auf dem Fährticket stand: Abfahrt der Fähre 23.59Uhr, Ankunft in Palermo 15Uhr, am nächsten Tag. Der Check-in hat von 16Uhr bis 21Uhr geöffnet.
Da ich eh schon, wegen kaputter Starterbatterien, eigentlich nur die Zeit totgeschlagen hab, war ich um 15Uhr am Hafen und hab das Auto auf dem großen Parkplatz abgestellt. Gegen 16Uhr kam ein Fährmitarbeiter und hat auf der Buchungsbestätigung, die man vorher ausdrucken sollte, die Autogröße vermerkt. Natürlich hatten die Hälfte der Leute ihr Ticket nur digital. Nachdem ich meinen Check-in stellte ich fest, daß mein Auto eingeparkt war: hinter mir ein Auto und vor mir ein italienischer 7,5t mit 6m Planennhänger, der in Ermangelung von Fahrkenntnissen einfach auf der Fahrbahn abgestellt war, der Hänger auf Höhe meines Fahrerhauses. Der Fahrer stand in der Check-in-Schlange, wollte diese aber nicht zum umparken verlassen. Gereizt hab ich ihm gesagt, daß ich mir sein Gesicht merken würde und daß er keine Freude an der Überfahrt haben wird! Soviel vorweg: das Karma hat das für mich übernommen, aber gleich so, daß er mir zum Schluß fast leid tat!
Der Reihe nach: nach dem Check-in hieß es vor der Einfahrt zum Hafengelände. Die Händler wollten ihre Sachen an den Wartenden verkaufen: Tonkrüge, Taschentücher, Plüschkamele und Datteln waren im Angebot. Ein angeblicher Mitarbeiter der Fährgesellschaft hat mir angeboten, daß er mein Auto nach „Ausreisewlligen“ absucht, gegen Gebühr versteht sich.
Es war kurz vor 21Uhr, ich döse im Fahrerhaus, auf einmal wackelt mein Auto. Beim Blick in den Rückspiegel läßt mich erkennen, daß ein junger Mann versucht aufs Fahrerhaus zu klettern. Ich raus, Auto abgesperrt (!), ihm am Schlawittel gepackt und ihm gesagt, daß ich jetzt mit ihm zur Polizei gehe. Bei dem Wort Polizei … – ich hab noch nie jemanden so schnell rennen sehen und er ward nicht mehr gesehen.
Um 21Uhr öffneten sich die Tore der Hafeneinfahrt, 5 Spuren zusammen auf eine – wie die Schafe! Der Polizist kontrolliert das Ticket und mit mir zusammen unterm Auto, im Auto, aufm Auto! – ok, ich kann rein, aber ich soll auf das Stromkabel achten, das bis auf 3,5m durchhängt! – Mann, Leute, echt jetzt!
Ab zur Röntgenkontrolle vom Fahrzeug, danach den Ausreisestempel von der Polizei und dann in den Zollbereich. Wir wurden alle auf der linken Seite in der Zollhalle einsortiert. Dann kam mein Freund mit dem 7,5t Hängerzug, der durfte im rechten Teil der Halle halten und um den Hänger postierten sich sofort alle Zöllner! Bei der Durchsuchung fischten die Zöllner 2 „Ausreisewillige“ aus dem Hänger!
Irgendwann kam ein Zöllner zu mir, kontrolliert unterm Auto, aufm Auto – nein da kann er nicht hinaufsteigen! Wir haben uns geeinigt, daß ich hoch kletter und ihm ein Foto vom Dach zeige – und im Auto. „Wieviel Euro haben sie dabei?“ – ich A… sag natürlich fast wahrheitsgemäß: 3000,-€ – „Es ist verboten mehr als 1500,-€ aus Tunesien auszuführen, jetzt haben wir ein Problem!“ Hätte ich doch nur die 3000,- verschwiegen und nur die 200,- im 2. Geldbeutel angegeben! „Haben sie hier Freund, damit sie es aufteilen können?“ – ich hatte vorher schon eine deutsche Familie mit Kleinkind gesichtet, die ich schon von der Einreise her kannte. Sie waren so korrekt, daß sie sich im Hafenbereich nur mit Warnweste bewegt haben, den hab ich gefragt, ob er für mich schnell 1500,- mitnehmen kann! Oh war mir schlecht! Der Zöllner hat sein O.K. auf meine Papiere gekritzelt und ich bin zum Zollkontainer um mir den Stempel zu holen. Da stand der Italiener aus dem Hängerzug: ‚was denn mit seinen Papieren jetzt sei‘. Der Zöllner antwortet: ‚das geht jetzt alles sein procedere, er soll sich Zeit lassen, das dauert‘! Nach dem Stempel vom Zoll gehts weiter in die Autoschlange, die sich zur Auffahrt auf die Fähre bereit macht. Da hab ich dann meine 1500,-€ wieder bekommen. Alles bestens, super ich danke euch für eure Hilfe.
Mittlerweile war es 10Uhr, die Fähre kam um 23Uhr im Hafen an und hat entladen – ähhh in 1 Stunde gehts für uns los! – entladen und beladen in 1h, respekt, das wird sportlich!
Um Mitternacht kam dann auch mein Italiener mit seinem Hängerzug in der Warteschlange an. 30min später, ich unterhalt mich grad mit ein paar anderen deutschen Fährpassagieren kommt jemamd zu uns sagt einer: „… habt ihr das mitbekommen, der Italiener mit dem Planenanhänger, da hat jetzt gerade jemand versucht sich im Hänger zu verstecken und hat die Plane aufgeschlitzt um reinzukommen!“. Also noch ein weiterer Versuch. Wir sind uns das Maleur anschauen gegangen und tatsächlich, ein riesen Loch in der Plane, das der Italiener grad mit Tape versucht zu zukleben – jaja, das Karma!
Um 4Uhr in der Früh war ich dann in der Schlange zur Auffahrt auf die Fähre, die Polizei kontrolliert nochmal mit mir zusammen unterm Auto, aufm Auto, im Auto, alle Schränke auf und unterm Bett! – alles ok. 10m weiter auf der Rampe von der Fähre, jetzt kontrolliert die Fährgesellschafft: „was die Polizei macht ist uns egal!“, mit mir zusammen unterm Auto, aufm Auto, im Auto, alle Schränke auf und unterm Bett! – immer noch alles ok. Um 4.30Uhr war ich endlich auf der Fähre.
In der Nacht dann ein Sturmtief, 3-5m hohe Wellen, an Schlaf nicht zu denken!
16Uhr, Ankunft in Palermo, 1h später als geplant, die Schafherde drängt zur Ausfahrt vom Schiff. Es wird gehupt, geschimpft, gestikuliert – ein Auto ist auf der einspurigen Rampe mit Panne rückwärts liegen geblieben und der Motor springt nicht mehr an. Nach 30min war dann die Rampe wieder frei und um 17Uhr standen die Autos in der Schlange vorm italienischen Zoll: „Haben sie Lebensmittel dabei?“ – „Oh ja, ich hab noch 2 Orangen aus Tunesien“ – zum Glück war der Zöllner nicht willens ins Auto einzusteigen. Ich hab ihm die 2 Orangen gegeben, die er in die bereitstehende Tonne warf. Hier waren jetzt auch die ganzen Datteln wieder, die die Passagiere in Tunis noch schnell vorm Hafen gekauft haben! Das Ehepaar in der Schlange vor mir war weniger gücklich: ihre Kartoffeln, Fenchel, Zwiebel, Karotten, alle Lebensmittel ab in die Tonne! – die Ehefrau schaut mich an und sagt: „Warum, das sind Lebensmittel, ich war in Tunis noch einkaufen bevor wir aufs Schiff sind!“ – Das war die Kontrolle vom europäischen Zoll, es ging nur um Lebensmittel, mittlerweile war es 19Uhr und ich war totmüde und genervt.
Fazit:
Wie schon bei der Ausreise aus Marokko vor 9Monaten fiel mir die Ausreise sehr schwer. Auch hier werde ich noch lange an die Menschen denken, an meine neuen Freunde und Brüder! Was für tolle Menschen, hilfsbereit, freundlich und gastfreundlich – außer der Polizei, die nervt. Ich habe eine schöne Zeit verbracht, aber 10 Wochen waren auch genug.
Jetzt gehts weiter, auf zu neuen Erlebnissen: Have memories, not dreams!
Der Verkehr in Tunesien (2.25)
…, das ist so eine Sache für sich: er ist chaotisch, aber rücksichtsvoll und es gilt, nur wenn sich die Räder drehen, kommt man vorwärts. Man achtet nicht auf Verkehrsregeln sondern aufeinander. So wird gerne mal im Kreisverkehr abgekürzt, nicht 270° rechts rum, sondern nur 90° links rum. Trotz getrennter Richtungsfahrbahn ist immer mit Gegenverkehr zu rechnen. Beleuchtung ist notwendiger Balast und wird eh überbewertet. Überholt wird links und rechts, rückwärtsfahren gibt’s nicht, denn man will ja vorwärts!
Obst und Gemüse werden am Standstreifen der Autobahn verkauft. Der Händler hat 2 Stände, in jede Fahrtrichtung einen, darum muß er die Autobahn überqueren.
Das Hauptverkehrsmittel ist das Taxi, gibts als PKW und Kleinbussen. Wer eine Fahrgelegeheit sucht stellt sich an Straßenrand und winkt ein Taxi heran. Es wird zugestiegen, auch wenn schon andere Fahrgäste drin sind. Nachdem der Fahrgast zugestiegen ist wird losgefahren und vielleicht geschaut, ob die Straße frei ist.
Roller und Kleinkrafträder brauchen keine Zulassung. Helmpflicht besteht keine, Gurtpflicht nur auf Straßen, auf denen man schneller wie 50km/h fahren darf.
Die Fahrbahn in den Orten teilt sich wie folgt auf: rechts parken die Autos, links daneben parken die Autos in 2. Reihe, dann kommen die Fußgänger, denn der Gehweg ist ja von den Händlern belegt. Das bedeutet, man schlängelt sich so zwischen Fußgänger, 2. Reihe parkern und dem Gegenverkehr irgendwie durch, wird von Rollern rechts und links überholt und muß jederzeit mit haltenden Taxen oder ohne zu schauenden losfahrenden Autos rechnen.
Ein Tunesier hat mir erzählt, daß ein Motorrad etwa 10.000,-€ kostet. Man kann aber auch eins für 2.000,- bis 3.000,-€ kaufen, das hat aber dann keinen Papiere und man darf damit nicht von der Polizei gestoppt werden.
Auf der Webseite vom auswärtigem Amt wird vor Fahrten in der Nacht dringend abgeraten! Selten ist ein Auto beleuchtet, das gilt auch für Fahrräder und Moppeds. Fußgänger und Tiere sind auch nachts unterwegs und von den Autofahrer sind 50% sturz betrunken!
Einfach nur Schade – Teil 2 (18.2.25)
Ich sitz am Strand bei Hergla, ca. 15km nördlich von Sousse als 2 Jugendliche mit ihren Fahrrädern vorbeikommen. Sie bleiben stehen und begutachten mein Auto, wir kommen ins Gespräch. Dann hält ein Auto neben uns. Der Fahrer spricht auf arabisch zu den beiden Jugendlichen, aber in einem Tonfall, den auch ich verstehe und gibt ihnen mit Handzeichen zu verstehen, sie sollen verschwinden.
Ich habe zu dem Mann gesagt, er soll sich nicht in die Unterhaltung einmischen und hab ihm einen schönen Tag gewunschen. Ich hab ihn meinerseits deutlich zu verstehen gegeben, was ich von seinem Auftritt halte. Auf mich hat einen betrunkenen Eindruck gemacht. Einen der beiden hat er dann noch ans Auto gewunken und mir durch ihn eine Zigarette bringen lassen, die ich aber entsorgt hab! Erstns laß ich mir von solchen Leuten nichts schenken, zweitens hab ich keine Ahnung, was da noch drin ist.
Als er weitergefahren ist haben mir die 2 Jugendlichen gesagt, das war die Polizei und sie wurden angewiesen, mich nicht zu belästigen und in Ruhe zu lassen. Die 2 waren sichtlich eingeschüchtert!
Was soll das? Ich kann selbst entscheiden, wann ich mich mit wem unterhalte. Ich brauche keinen Aufpasser! Da wundert mich nicht, daß es Tunesier gibt, die sagen, sie haben sich noch nie mit einem Touristen unterhalten.
Teil 3 (19.2.25)
Ein tunesisches Auto hält 10m von meinem. Der Fahrer A steigt aus, kommt rüber und will ein paar Sachen zu meinem Auto wissen. Sein Beifahrer B bleibt im Auto sitzen.
Kurz darauf hält ein 2 Auto, dieser Fahrer geht zum ersten Auto, der Beifahrer zu einem 3. Auto – ok alles klar: eine Polizeikontrolle!
Plötzlich Aktion, der 2. Polizist kommt auch zum ersten Auto, alle Türen werden geöffnet, die Polizisten beugen sich ins Auto und suchen offensichtlich nach was, der Beifahrer B wird in Handschellen zum Zivilauto der Polizei gebracht.
Der Beifahrer B hatte im Auto einen Joint geraucht und wurde dabei erwischt. Da aber A und B die „Strafe“ von 100 Dinar (ca.30,-€) sofort bezahlen konnten, bleib das Ganze folgenlos für B, ohne weiteren Papierkram und er wurde wieder freigelassen!
Da spielt die Polizei den Moralapostel und andererseits dann doch selbst faustdick hinter den Ohren.
P.S.: Ich wurde nicht kontrolliert! – nur die tunesischen Autos am Strand wurden kontrolliert.
Eindrücke und Kurzgeschichten:




















Bild re: der junge Mann steht in Beja am Mittelstreifen und versucht kleine selbstgepflückte Blumensträuße zu verkaufen. Ein paar Tage zuvor in Sousse eine ähnliche Situation. Dort hat ein junger Mann am Straßenrand versucht Brot zu verkaufen.
Ich stand in beiden Situationen grad am Straßenrand um das Navi zu programmieren. Sie haben nicht gebettelt sondern versucht sich durch den Verkauf der Sachen Geld zu verdienen. Ich bin ausgestiegen und haben ihnen jeweils 10 Dinar (3€) gegeben.
Oh was haben die sich gefreut und sich bedankt.



























Einkaufszettel:
1kg Reis: 6,200 Dinar = knapp 2€
1kg Couscous: 0,795 Dinar = 0,24€
100g weißer Pfeffer: 5 Dinar = 1,51€
100g Butter: 3,300 Dinar = 1,-€
Butter kost also soviel wie in Deutschland!
und da Reis sogar mehr.




Der Trauerzug
Unterwegs, die Straße führte in einer leichten Linkskurve durch eine Senke in einen Ort hinein. Aus dem Ort kam eine Fahrzeugkollonne mir entgegen, in Schrittgeschwindigkeit und mit Warnblinker. Auf der Ladefläche des ersten Pickups standen seitlich 8 Personen, jeweils 4 auf einer Seite. Offensichtlich ein Trauerzug. Aufgefallen ist mmir auch, daß die 2 Autos, die mich vorhin noch überholt hatten jetzt rechts am Straßenrand ausrollten. Ich bin auch rechts rangefahren, hab angehalten und den Motor ausgemacht.
Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie sich die Leute aus den Autos raus mir dafür gedankt haben. Alle haben mich gegrüßt, gewunken und sich mir einem Daumen nach oben bedankt.




Bild links: Hedi, im Vordergrund, gehört ein kleiner Verkaufsstand in Kairouan (Getränke, Süßigkeiten, Zigaretten, Prepaid Aufladekarten) und Achmed. Sie haben mich auf einen Kaffee hinter die Theke eingeladen, später gabs dann auch noch Couscous.
Über 2h hab ich mir das Treiben von dieser Seite aus angeschaut: Touristen und Einheimische auf dem Weg in die Medina. Was für eine interessante Erfahrung.
Achmed hat mir erzählt er war dem Tode nah, auf einem Schlauchboot nach Europa, 2 Monate war er dann im Gefängniss, bevor er abgeschoben wurde, er wird es wieder versuchen. Vater hat er keinen mehr, er ist der „Mann“ im Haus und für seine Mutter und die jüngeren Geschwister verantwortlich. Übergangsweise hat ihn Hedi eingestellt, damit er Geld verdienen kann.







11.2.: In Bou Salem hab ich am Straßenrand geparkt, die Polizei hat mich 100m weiter geschickt, weil hier vor dem Cafe nur PKW parken dürfen. Gesagt, getan. Gegenüber dem Cafe war ein Straßenimbiß, in dem ich schnell Mittag gegessen hab. Danach bin ich noch in einen Getränkeladen und hab Wasser gekauft.
Auf dem Weg zurück zum Auto bin ich an dem Cafe vorbei, da sprechen mich 3 Männer an: na, hat das Essen geschmeckt? Tolles Auto hast du!
Man ist also nie unbeobachtet – sie haben mich auf einen Kaffee eingeladen.
Einfach nur Schade (8.2.25)
Ich wollte eine kleine Stadt besuchen, welche spielt keine Rolle, da diese Geschichte stellvertretend für das Selbe, immer wiederkehrende Ereignis steht.
In diesem, nicht näher bezeichneten, Ort hab ich mir einen Parkplatz in einer InternetApp gesucht. Den Platz hat jemand eingestellt, nachdem er mit der Polizei Kontakt aufgenommen und auch abgeklärt hatte, ob er dort im Wohnmobil übernachten könne.
Guter Dinge hab ich nach einem kleinen Stadtrundgang, incl. Einkauf, zum Kochen angefangen, da klopfts an der Tür – wiedermal die Polizei:
Ich könne hier nicht bleiben, denn hier es wäre nicht sicher. Ich solle rüber fahren in den Hafen, da wäre es sicher!
Aber da finde ich was zum Essen und auch zum Einkaufen.
Ja warst schon im Hafen.
Darum ist es besser, wenn du im Hafen parkst, da können wir besser auf dich aufpassen.
Die Polizisten wechseln die Gesichtsfarbe: nein, das stimmt nicht.
Nein, du kannst bleiben.
Der Kollege sagt noch im Weggehen: Ich hab nichts gesagt.
30 Minuten später klopft die 2 Polizeistreife an die Tür – mittlerweile ist es draußen dunkel:
Ah, dann ist es ja gut.
Auch diese Polizisten wechseln die Gesichtsfarbe: Nein das stimmt nicht!
Wo willst du denn hin?
Die Polizisten lachen: das stimmt leider!
Also gut, du kannst bleiben, wir passen auf dich auf heute nacht.
Meine Antworten:
Ich fahr da nicht in den Hafen, da ist es laut, viele Leute und eine Menge Restaurants mit Musik und Ausflugsschiffe.
Ich war grad einkaufen, keine 100m von hier, dazu brauche ich nicht in den Hafen.
Aber naturlich, da ist die Hafenkomandatur und die Polizeistation.
Also gut, ich fahre hier weg! – und wenn ich in Deutschland bin werde ich überall erzählen, daß mir die Polizei in Tunesien gesagt hat: Tunesien ist nicht sicher!
Doch, das hat mir die Polizei immer wieder gesagt: es ist nicht sicher!
Ich werde nach dem Kochen und Abendessen wegfahren, in ca.1h.
Schade, denn ich wollte morgen die Stadt anschauen.
Ja, ich hab mit den Kollegen schon vereinbart, daß ich hier wegfahre, weil es hier nicht sicher ist.
Ich hab den Kollegen aber auch schon gesagt, daß ich zurück in Deutschland allen erzählen werde, daß Tunesien nicht sicher ist.
Doch, das erzählt mir die Polizei immer wieder, seitdem ich im Land bin!
Ich packe nur noch schnell alles zusammen und fahre dann weg.
Das weiß ich noch nicht! Und außerdem, ihr schickt mich bei Dunkelheit auf die Straßen, auf der jetzt lauter Betrunkene in den Autos unterwegs sind.
Tunesien ist so ein tolles Land, ich habe in den 7 Wochen soviel Schönes erlebt und mich noch nie unsicher gefühlt, also hört bitte auf, mir zu erzählen, hier ist es nicht sicher! Mir wurde morgens schon Frühstück gebracht, ich gehe durch die Souks und ich war auf einer Verlobungsfeier.
Ihr sollt wegen mir keine zusätzliche Arbeit haben, ich verlasse jetzt die Stadt.
Mit diesen Worten dreh ich mich um und laß die verduzt dreinblickenden Polizisten stehen.
Liebe Polizei von Tunesien, ihr wollt die Touristen schützen! Aber wenn ihr solche Sätze sagt wie ‚es hier ist es nicht sicher‘, dann helft ihr eurem Land nicht. Ihr macht den Leuten Angst. Touristen gehen dann nach Hause und erzählen das ihren Freunden: ‚die Polizei ist gekommen und hat gesagt, es ist nicht sicher‘ – ‚die Polizei hat uns eskortiert, weil es gefährlich ist‘. Eine App, die bei der Parkplatzsuche helfen soll, ist voll von Kommentaren, die den Eindruck vermitteln als müße man in Tunesien Angst haben. – und das stimmt eben nicht!
Nur um das nochmal klar zu stellen: für mich ist Tunesien ein tolles Land mit wunderbaren Menschen. Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt, im Gegenteil, ich fühl mich wohl hier. (bleibt die Frage, wo ist man sicher? – auf einem deutschen Christkindlmarkt? aufm Oktoberfest? im Ahrtal? …)
Meine lieben neuen tunesischen Brüder und Schwestern, das wollt ihr auch nicht. Das weiß ich.
Kleiner Tipp: baut Campingplätze, die gibt es hier so gut wie gar nicht. Camper fühlen sich sicher und es bringt euch Arbeitplätze und Touristen.
Ich steh jetzt 10km weiter am Strand. Die Fischer sind am Strand unterwegs und im Wasser. Ich fühl mich sicher, ich werd weiter mir irgendwo einen Platz suchen.
Familie Salhi und die Verlobungsfeier (1.- 4.2.25)
1.2.25: Diese Geschichte hatte damit angefangen, daß ich in Monastir kurz am Straßenrand angehalten hab und mir auf der Karte einen Parkplatz zum Übernachten gesucht hab. (Eigentlich wollte ich nur …, so fangen die spannendsten Geschichten an). Was ich nicht ahnte war, daß daraus das großartigste Erlebnis werden sollte!
Ich bin also gerade mitm Handy beschäftigt, da sehe ich auf der anderen Seite einen jungen Mann, der zu mir herüber blickt. Er will gerade ins Haus gehen, dreht sich nochmal zu mir um und grüßt herüber – ich grüße zurück. Er schwingt sich auf sein Moped und fährt zu mir rüber auf die andere Straßenseite. Nach den üblichen ersten Sätzen (wei gehts, woher, wohin), lädt er mich zu sich nach Hause zu seiner Familie ein.
So lerne ich Familie Salhi kennen: Papa, Mama, Othman (der mich eingeladen hat), seinen Bruder Hazam und die Schwestern Aline und Souhir. Insgesamt sind es 8 Kinder, 4 Jungs und 4 Mädels. Kurz darauf kommt noch Hamza nach Hause, er studiert in Italien und ist für 1 Woche nach Tunesien heimgekommen, zusammen mit seinem Uni-Professor Sergio.

Kurz darauf hieß es ‚Abendessen ist fertig‘ und wir saßen alle am Eßtisch im Flur. Es gab Rindereintopf. Kaffee, Tee, Fanta und ein Malzbier wurden mir auch noch angeboten. Was heißt angeboten, es wurde noch schnell eingekauft und serviert.
Danach sind wir im Wohnzimmer zusammen gesessen, eine Unterhaltung auf deutsch, arabisch, englisch, französisch und italienisch, jeder sprach ein bisschen von den anderen Sprachen, den Rest erledigte der Internetübersetzer. Als sich Sergio gegen 23 Uhr verabschiedete um ins Hotel zu fahren, hab ich mich auch bedankt und bin gegangen. Zum Abschied hat mir die Familie noch ein Glas Honig geschenkt.

3.2.25: Souhir und Aline hatten mich auf ‚whatsapp‘ angeschrieben und mich kurzfristig für den Abend eingeladen. In einer Patesserie war ich noch schnell einkaufen, für die Damen des Hauses. Ich wollte die Gelegenheit nutzen um mich für den Abend von vor 2 Tagen zu bedanken.
Unglücklicherweise hatte ich erst vor 2h gegessen, aber das wurde nicht akzeptiert und so saß ich wieder am am Tisch, es gab Couscous.
Nach dem Abendessen essen sind wir alle wieder ins Wohnzimmer gegangen: Aline hat Studienarbeiten gemacht, Souhir hatte sich, da leicht erkältet, in eine dicke Decke auf einer Couch gemütlich gemacht, Mama ebenfalls auf einer 2. Couch, Papa zog es vor am Boden zu sitzen. Othman, Hamza, Hazam, Sergio und ich verteilten uns im Wohnzimmer auf den diversen Couchen.
Da erzählt mir Hamza, daß er sich morgen verloben wird und er lädt mich dazu ein! Ich kann euch gar nicht sagen, wie baff ich war! Natürlich habe ich die Einladung dankend angenommen.
Nur um das zu wiederholen: Ich bin ja eigentlich Tourist und erfahre hier eine Gastfreundschaft, eine Herzlichkeit, eine Offenheit, die ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht denken konnte. Nicht nur die Einladung nach Hause und zum Essen. Ich werde eingeladen zu einem so familiären Ereignis, einer Verlobung.
Abfahrt is am nächsten Tag gegen 14Uhr, ich soll einfach gegen Mittag wieder hier sein. Ich hatte mein Auto auf dem freien Platz auf der anderen Straßenseite geparkt und da hab ich auch übernachtet. Die Familie hat mir auch angeboten, im Haus zu übernachten. Meine Ablehnung stieß auf Unverständnis. Erst nachdem ich ihnen meine „Wohnung“ gezeigt habe, wurde es akzeptiert – weil für gut befunden – daß ich „zuhause“ schlafe.
4.2.25: Am nächsten Tag hat mich Othman gegen Mittag abgeholt und ins Haus gebeten. Die Vorbereitungen waren in vollem Gange: Geschenke wurden verpackt, die Mädels machten sich die Haare und schminkten sich, die Jungs sind auch nochmal zum Friseur, Hamza war sowieso beschäftigt und bei all dem ich mitten drin. Ich war nicht beim Friseur, was soll ich da? – einmal polieren bitte!
Um 15 Uhr sind wir dann los, ca. 120km zum Ort der zukünftigen Braut, also etwa 2h Fahrt. Natürlich war während der Fahrt schon Party(!), die im Haus der Zukünftigen natürlich weiter ging.















Nach der Begrüßung, dem Tanz und der ausgelassenen Unterhaltung, gab es Couscous mit Rindfleisch zu Essen, danach Obst, Und wieder wurde getanzt – und ich durfte dabei sein auf diesem Familienfest.
Hamza hat seiner Zukünftigen den Verlobungsring angesteckt, die Leute haben gratuliert und dann wurd die Torte angeschnitten.
Um 22 Uhr war Aufbruch angesagt und es ging zurück nach Monastir. Was für ein Erlebnis! Ich bin zu tiefst berührt von diesem Erlebnis und der Gelegenheit, die mir da geboten wurde.
Nachtrag 6.2.25:
Ich habe meine Erlebnisse Amin erzählt, einem der beiden Tramper und Dattelbauer. Seine Antwort lautete:
„.لم تعد سائحا بعد الآن. انت فرد مناا“ – übersetzt: „Sie sind kein Tourist mehr. Du bist einer von uns.“ – wie cool is das denn! Was für eine Anerkennung!
Auch Hamza hat mir heute nochmal geschrieben:
„…You are a member of my family. You are a friend and like my older brother. … Thank you, my older brother, may God protect you and we thank you very much. …“
übersetzt: „…Du bist ein Mitglied meiner Familie. Du bist ein Freund und wie mein älterer Bruder. … Danke, mein älterer Bruder, möge Gott dich beschützen und wir danken dir sehr. …“.
Was für ein Erlebnis! Ich kanns immer noch nicht begreifen. Mir fehlen die Worte um meine Gefühle zu beschreiben!
Danke an die ganze Familie.

v.li.n.re: Sergio, Hamza, Hazam, n.n., Aline, Souhir, Mama Salhi, Othmann, n.n., n.n., Papa Salhi
Reifenwechsel (28.1.25)
Ich bin im Le Kram angekommen und steh auf dem Parkplatz von einem kleinen Strandkaffee, nebendran ist ein kleiner Fischerhafen. Die Vorderreifen vom Auto sind schon relativ gut abgefahren, außerdem bildet sich ein Sägezahn an den Stollen. Drum hab ich mich entschlossen, die Reifen vorne gegen die beiden Ersatzreifen zu taschen. Beim ersten Reifen haben mich 3 Fischer beobachtet. Als ich mich an den 2. Reifen machte, haben sie mich angesprochen. ‚Heute haben sie nichts zu tun, es sind keine Fische da. Komm gib mir das Radkreuz, wir helfen dir.‘ Zu dritt gings schneller als alleine! ‚Mit dem kleinen Wagenheber willst du das Auto aufbocken? – Warte ich fahr schnell heim, ich hab daheim einen viel größeren.‘ – ‚Alles gut, das ist ein 10t Heber!‘. Im Nu wars erledigt und das Rad gewechselt und der Reifen wieder verstaut.
‚Willst du was essen?‘ haben sie gefragt und packen ausm Auto den Topf aus. Ich wollt aber erst das Werkzeug wegräumen. ‚Aber ich lad euch nachher auf nen Kaffee ein.‘ – Bis ich mich umgezogen und die Hände gewaschen hab waren sie schon weg.
In der Nacht hats geregnet und am nächsten Tag waren die Fischer wieder da. Von fern haben wir uns schon begrüßt. Eine Orange haben sie mir angeboten, ‚oder willst du lieber ein Bier‘ – ‚Loß kommt, laß uns nen Kaffee trinken.‘ – ‚Kaffee ist ungesund, wir trinken lieber Bier.‘
Das sind die Erlebnisse, für die ich unterwegs bin. Ich fühl mich nicht mehr als Tourist! Hamdullah – Gott sei Dank.

Kühler undicht (26.1.25)
Es ist immer gut einen Blick ums und unters Auto zu werfen. Dabei hab ich unterm Auto nen nassen Fleck entdeckt – Diagnose: Kühlwasser. Nach dem Fahrerhaus kippen war die Quelle war schnell gefunden, aber nicht 100% zu identifizieren. Es konnte der Rohrflansch selbst sein oder der angeschlossene Schlauch. Da die Schlauchschellen nicht besonders fest waren, hab ich diese nachgezogen bzw. erneuert. Leider wars am nächsten Tag wieder naß unterm Auto. Nicht gut! Scheinbar ist es doch der Kühler selber, der undicht ist.
Dank einer bekannten Suchmaschine im Internet hab ich dann 30km weiter in Sousse eine Kühlerreparaturwerkstatt gefunden. Ein sachkundiger Blick des Werkstattchefs hat meine Befürchtungen bestätigt. WTF. „Den Kühler können wir schon reparieren, aber wir bauen den nicht aus. Du brauchst einen Mechaniker, der den Kühler ausbaut.“ „Das ist für mich kein Problem, das kann selbst machen, ich brauche nur einen Platz, wo ich schrauben kann.“ „Ja, 100m da vorne, ist eine Bucht mit einer Bushaltestelle, da kannst du den Kühler ausbauen. Aber nicht mehr heute.“ „Seit ihr am Sonntag auch da?“ „Ja klar.“
Ich hab um 14 Uhr angefangen zu schrauben und mit Sonnenuntergang hatte ich den Kühler bis auf eine Schraube abgebaut. Leider ist die 13er Nuß auf nimmer Wiedersehen im Motorraum verschwunden. Am nächsten Morgen, nach der letzten Schraube, kam der LKW Ersatzteilhändler von der anderen Straßenseite auf mich zu: ob ich Ersatzteile bräuchte?
Ersatzteile direkt nicht, aber eine 13er Nuß 3/8 Zoll, 4 Schrauben M8 x 30 und eine M8 x 20! – ich muß daheim unbedingt noch einen Beutel Schrauben ins Auto packen!
Ähm ja, das hätte er jetzt nicht da, aber sein Kumpel würde mir zeigen wo ich alles auf dem Markt finde. 45min später hatte ich alle Teile und wir gingen zurück zum Auto. Angenommen hat der gute Mann nichts für seinen Lotsendienst. Auf der anderen Staßenseite war ein Cafe, ich bin mit ihm rüber und wollt ihm nen Kaffee ausgeben, selbst das hat er abgelehnt.
Ich bin zurück zum Auto und dort angekommen zur Salzsäule erstarrt! Der Kühler, der lose oben auf der Halterung lag, er war weg! Mein Kühler is weg! Wie gibts denn sowas. Wer klettert auf Auto und nimmt den Kühler mit?
Die naßen Kühlwasserschläuche dampften wie zum Abschied in der Morgensonne. Was einem da in so einem Moment alles durch den Kopf geht! – ich schreib das hier lieber nicht rein.
Ich hab mich umgedreht und den Mann an der Bushaltestelle gefragt: da waren 2 Männer die haben ihn weggetragen – und deutet in die Richtung der Kühlerwerkstatt. Sollte es so „einfach“ sein? Im Nuh war ich an der Werkstatt und da stand das vermaledeite Teil.
Ja, ich wäre nicht dagewesen und sie wollten doch fertig werden, da sie ja nur wegen mir heute offen hätten. Darum haben sie den Kühler selbst runtergehoben und mitgenommen. Ausgemacht war am morgen, aber es war erst 9Uhr, da sind Tunesier normalerweise noch nicht mal auf der Straße. Jedenfalls war ich ziemlich erleichtert und entschuldigt bitte, liebe Tunesier, daß ich einen Moment an euch gezweifelt hab.
Der Rest is schnell erzählt: Kühler gelötet, abgedrückt und dicht. 80 Dinar (ca. 27,-€) hats gekostet und er hat kein Trinkgeld angenommen!
Um 16 Uhr war wieder alles wieder zusammengebaut und der Probelauf erfolgreich abgeschlossen. Zwischenzeitlich kamen der Meister und sein Gehilfe nochmal vorbei und haben sich erkundigt, ob alles passt. Was für eine tolle Geste.
30min später bin ich aus der Bushaltestellenbucht rausgefahren. Aus dem Cafe gegenüber wurden mir Glückwünsche zugerufen und eine gute Fahrt gewunschen. Was für ein herzlicher Abschied, mir wurden die Augen feucht. Für die Leute wars wahrscheinlich ein tolles Unterhaltungsprogramm, 1 1/2 Tage lang.
Unterwegs, auf den Spuren von StarWars (10.-13.1.25)






… bietet einen herrlichen Ausblick auf die Umgebung.

Während im Westen die Sonne untergeht bringt sich im Osten schon mal der Mond in Stellung.





In dieser Region Tunesiens haben die Berber ihre Wohnungen in den Boden verlegt, hier gleich ein ganzes Hotel!






Die ehemalige Speicherstadt im Ort diente ebenfalls als Filmkulisse für einen Sklavenmarkt in StarWars








Die Filmemacher haben ihren Wüstenplaneten einfach nach dieser Stadt benannt.

20km südlich von Tatouine





durch die Wüste nach Ksar Ghilane (9.1.25)
… ist eine kleine Oase 40km östlich vom Tembaine. Es gibt zwar eine Querverbindung, laut diverser Tracks, aber das Dünenfeld war so extrem, ich war nicht der einzige der umgedreht is. Also zurück nach Douz, versorgen und dann diesmal am Cafe La Porte Du Desert geradaus weiter, ca 50km zur Oase

















durch die Wüste zum Mount Tembaine (4.-7.1.25)





















Tank is unterm Sitz, wo üblicherweise der Tank ist ist ein Wasserflaschen halter, Tacho und Spiegel werden nicht benötigt hier draußen
Am Tag nach der Ankunft bin ich in das Cafe rübergegangen für einen Kaffee. Dabei erfährt man interessante Dinge:
Touristen können in Douz eine Wüstentour buchen, werden dann mit Jeeps fast 100km zum Tembaine in eines der 3 Camps gefahren, Essen zu abend, übernachten in der Wüste und werden dann am nächsten Tag nach dem Frühstück wieder nach Douz gefahren. Die Jeeps dienen gleichzeitig als Versorgung für die Camps und die Cafes entlang der Strecke.
Ich saß da so, vor der dem Cafe, es war ein ständiges kommen und gehen der Touritaxis, da das Cafe direkt an der Piste zu den Camps liegt.
Manche Autos fahren direkt ins Camp, Touristen schießen im Vorbeifahren schnell ein Foto vom Cafe.
Andere Autos halten an, Lebensmittel und Pappbecher werden ausgeladen und nach einer kurzen Unterhaltung zwischen Washii und den Fahrern werden die Touris ins Camp gebracht.
Wenige Autos halten für eine Mittagspause: Touristen steigen aus, gehen ins Cafe und setzten sich an den Tisch um sich mit Kartenspiel die Zeit zu vertreiben, während die Fahrer der Jeeps die Küche übernehmen und das Mittagessen für die Touristen zu kochen.
Dann halten ein tunesischer Jeep und 3 Autos mit österreichischem Kennzeichen. Die Leute steigen aus, ein Teil beschließt auf den Tembaine zu klettern, 2 setzten sich zu mir an den Tisch. Wir kommen ins Gespräch: ich frage nach einer Weile, „ach dann macht ihr eine geführte Tour?“ und bekomme als Antwort „nein, nein, wir haben einen Guide.“
Wir beobachten die Leute, wie sie aufs Plateau steigen und einer der Österreicher gibt zu bedenken, daß der Fels brüchig ausschaut. Sagt der andere darauf: „ah da kann nix passieren, da Sepp is ja dabei, der war schon aufm Mount Everest, da im Himalaya, wasd eh!“. Ich hab nachgefragt: „Er war oben aufm Gipfel?“ – „Na des ned, er mußt abbrechen wegen Höhenkrankheit. Vielleicht wars a da K2, i woaß des ned so genau, fragstn am besten selber.“ Ich wollt nix mehr wissen!
Nach einer halben Stunde ist die andere Hälfte vom Berg zurückgekommen, frägt einer: „Wo is jetzt unser Kellner, er soll mir ne Cola ausm Auto bringen.“
Washii ist abends an meinem Auto vorbeigekommen als er in eines der Camps runter gefahren ist um dort zu übernachten unddrückt mir frisch gebackenes Brot in die Hand!
Man sieht sich immer 2 mal!
– Teil 1 (2.1.25 morgens):
Nach dem „auf Grund laufen“ hab ich dann 2km von der Stelle entfernt nen Platz gefunden zum Übernachten. Ich war müde, hungrig und wollt nur noch den Sand aus der Kleidung schütteln.
Am nächsten Morgen bin ich Richtung Douz gefahren, um den Einstieg in die Sandrosen Route an anderer Stelle zu versuchen, das dann ja mit der gebrochenen Bremsleitung endete. Jedenfalls kommt mir ein Auto entgegen, das schon von weitem mit Lichthupe auf sich aufmerksam macht und die 2 Insassen winken mir im Vorbeifahren zu. Es war die 2 Brüder, die mir am Tag zuvor so tatkräftig beim Schaufeln geholfen hatten. Ich hab abgebremst und bin stehen geblieben, das Auto dann nach 50m auch und is nochmal zurückgekommen.
Die 2 waren tags zuvor plötzlich verschwunden, jetzt hatte ich nochmal die Möglichkeit mich für ihre Unterstützung in aller Form zu bedanken.
Was haben die sich gefreut.
– Teil 2 (4.1.25 morgens):
Die Tage zuvor habe ich Stefan, ausm KAT-Forum, mit seiner Familie kennengelernt. Jetzt saßen wir um 10 Uhr morgens im Cafe La Porte Du Desert (Cafe or zur Wüste), ca 35km südöstlich von Douz zusammen auf einen kurzen Ratsch. Hier endet die Teerstraße und es gehen nur 2 Pisten weiter raus in die Wüste. Als wir da so bei einem Kaffee am Ende der Welt sitzen, hält plötzlich ein Auto auf der Straße. Ein junger Mann springt aus dem Auto, läuft zielstrebig auf uns zu und begrüßt mich mit Handschlag. Ich habs im ersten Moment gar nicht überrissen, es war Amin, der Dattelbauer von vor 2 Tagen. Er macht mit seiner Familie einen Ausflug in die Wüste und hat mein Auto stehen sehen und wollte einfach nur schnell „Hallo“ sagen. Schon war er auch wieder weg und ich saß verdattert da, mit offenen Mund und hab einen Moment gebraucht, bis ich kapiert hab, was da grad passiert ist. Stefan hat mich nur fragend angeschaut, dem mußte ich erstmal die Geschichte erzählen!
–Teil 3 (4.1.25 abends)
… und es kommt noch geiler!
Ich bin dann raus in die Wüste gefahren zum Mount Tembaine, dazu später mehr, es waren vom Cafe La Porte Du Desert nochmal 60km.

Kurz vor Sonnenuntergang bin ich angekommen und hab in dem Joch zwischen den 2 Plataubergen 3 größere Wohnmobile stehen sehen. Ich hatte mir noch überlegt, ob ich mich dazustell, bin aber aufm Weg dorthin an so einem schönen Stellplatz vorbeigekommen, daß ich mir gedacht hab: Ach komm, ich bleib jetzt hier, das andere ist eine Gruppe, da drängst dich nicht auf. Ich bin grad in die Kabine rein, da klopft schon an der Tür: ach komm doch rüber zu uns, wir haben dich schon von weitem gesehen, wir sind auch alle KAT-Fahrer.
Alles klar, dann komm ich rüber.
3 Päarchen, aus dem Großraum Hamburg, wir unterhalten uns so über die Autos, als einer frägt: ‚deiner is ein A1, hat der ne mechanische oder ne elektonische Einspritzung?‘ – Ich: ’ne mechanische‘ – Er: ‚weil der Frank hat nen A1.1, der hat ne elektronische‘ – darauf ich: ‚welcher Frank‘ – Er nennt den Nachnamen – Ich: ‚ach ja!‘ – alle anderen: ‚NEIN!‘ – darauf ich: ‚doch!‘ – die anderen: ‚ach dann bist du der aus Marokko, wir haben uns erst letzte Woche noch über dich unterhalten!‘
Das waren alles Freunde von Frank und Gabi, die ich letztes Jahr in Marokko getroffen habe.
Im gleichen Moment haben sie per „Starlink“ auch schon Frank und Gabi in Canada angerufen und von unserem Aufeinandertreffen erzählt.
Ehrlich, ich erzähl kein Scheiß, genau so ist es passiert! Ich kanns ja selbst kaum glauben.

Die Tramper (2.1.25)
Nach der Bremsleitungsstory hab ich aufm Weg zum Übernachtungsplatz nochmal an einer LKW Werkstatt angehalten, vielleicht hat der ja nen Schauch mit der richtigen Dichtung. Leider hatte die Werkstatt aber schon zu.
In dem Moment fragen mich 2 Jungs durchs Fenster, ob ich nach Richtung Zaafrane fahre und ich sie mitnehmen könnte. Liegt aufm Weg zum Übernachtungsplatz – kein Problem.
Auf der Fahrt haben sie mir dann erzählt, daß sie in der Schule auch deutsch lernen und sie sich noch nie(!) mit einem Touristen unterhalten hätten, ob sie mich auf einen Kaffee einladen dürften. Aber natürlich.
Touristen treten immer als geschlossene Gruppe auf und wären dadurch unnahbar.
Etliche Fragen und Erzählungen später, hat mir Amin nach einem Telefonat gesagt, daß sein Bruder mich auch gern kennenlernen würde. Er kam dann 30 Minuten später, spricht perfekt deutsch, da er in Essen studiert.
Seine Familie hat eine Dattel Landwirtschaft, ob sie die mir zeigen dürften? Und ab gings zuerst ins Kühlhaus, zur Lagerung der Früchte und dann auf die Palmenplantage. Zur Bewässerung wird das Wasser mit Solarstrom aus 100m hochgepumpt. Vor 20 Jahren warens 80m. Wenn die Sonne scheint haben die Palmen Wasser, wenn die Sonne nicht scheint haben sie kein Wasser. Das Wasser an der Oberfläche können sie nicht zur Bewässerung verwenden, denn das ist salzhaltig.


Nach fast 2 Stunden haben sie mir dann noch Datteln geschenkt – eine Kiste mit 1,5kg, 1er Qualität!
Eigentlich wollten sie mir sogar noch eine 2. Kiste mitgeben. Aber ganz ehrlich, 3kg waren mir echt zu viel. Ich konnte sie dann auf eine Kiste runterhandeln.
Was für ein toller und interessanter Abend. Danke Jungs.
Mittlerweile war es stock dunkel und in der Nacht Schlafplatz anfahren oder suchen ist echt unangenehm, aber was solls, solche Erlebnisse zu haben ist mehr wert.
Bremsleitung abgebrochen (2.1.25)
Ich wollte mich durch diese Mißgeschick nicht entmutigen lassen und hab erneut versucht den Einstieg zu diesem Track zu finden und hab ihn auch gefunden. Die Piste war eine stark verwehte ursprüngliche Straße, der Wind wehte stark und die Sicht war auf 100m beschränkt, die Verwehungen wurden immer höher. Ich hab mich entschoßen an dieser Stelle abzubrechen, das machte keinen Sinn. Jetzt mußte nur eine Stelle zum Wenden her, hinter der nächsten Düne war Platz genug, also mit Schwung drüber. Sie war steil, es hat einen ordentlichen Schlag getan, als die 2. Achse auf den Federwegbegrenzern aufgesetzt hat. Beim Bremsen hats dann ordentlich gezischt, shit, jetzt läuft was falsch!
Achseitig ist eine Halteplatte für den Duckluftzylinder, 15cm darüber ist rahmenseitig der Druckluft verteiler für die Hinterachse montiert. Der Federweg beträgt aber 20cm. Das Ergebnis: das Messinganschlußstück vom Druckluftschlauch hats abgeschert. Jetzt bremst nur noch die ein Kreis. Vorsichtig bin ich die 30km zurück nach Douz und hab da eine Notreparatur durchführen lassen. Der Ersatzschlauch dichtete axsial und nicht wie der gebrochene radial, aber es war dicht und ich konnte weiter. Ein paar Tage später hab ich dann eine Firma gefunden, die Schläuche anfertigt. Perfekt. Für die Notreperatur hat der Mechaniker 400 Dinar (130,- € aufgerufen), incl. eines alten, vergammelten, falsch dichtenden Schlauches. Der neue Schlauch hat dann 50 Dinar (ca. 17,- € gekostet). Aus einer Notlage heraus laßen sich lohnende Geschäfte machen. Auto läuft wieder und so ist es halt nun mal.
Auf Grund gelaufen (1.1.25)
Das Jahr fängt ja schon gut an. Eigentlich wollte ich nur einen Track fahren zum Mount Tembaine, einem Berg in der Wüste. Der Track sollte an einer Stelle mit Sandrosen vorbeiführen und ca. 20km hinter Douz anfangen. Aber irgendwie hab ich den Einstieg auf diese Route nicht gefunden und wollte mal eben schnell wenden! Leider war da eine nicht erkennbare Weichsandstelle und ich hab nur gemerkt, wie der Boden immer näher kam, aber da war es dann auch schon passiert! Aus, Schluß und vorbei. Kein vorwärts und kein Rückwärts mehr. Ich bin innerhalb von 3m soweit eingesunken, daß die Vorderachse im Sand verschwunden war und ich ebenerdig Ein- und Aussteigen konnte.

Es hat nicht lange gedauert und es hatten sich ca. 15 Leute um mich versammelt. Klar, sowas is unterhaltsamer wie fernsehen. Was ich denn jetzt macheen wolle, hat einer gefragt. Ich hab ihm gesagt, daß ich das Auto jetzt ausgraben werde. Seine Antwort kam prompt: das schaffst du nie – unmöglich – hier brauchen wir ander Lastwägen(!) und einen Kran.
Ich wollts versuchen und hab ihm gesagt, wenn ich morgen früh noch hier bin, dann können wir gerne nochmal drüber reden, aber jetzt versuch ichs erstmal. Unter dem Kopfschütteln der Leute hab ich zu schaufeln angefangen. Vielen wurd das bald zu langweilig und sie sind wieder abgezogen, dafür kamen neue Zaungäste, die so nahe standen, daß ich den Sand in ihre Schuhe geschaufelt hab.
Nach einer Weile hat mit ein junger Tunesier zu verstehen gegeben, er wolle mir helfen und weiterschaufeln.
Sein Bruder und er haben dann abwechselnd gegraben – Jungs ihr ward echt Klasse. In der Zwischenzeit hab ich Hebekissen und Sandbleche rausgekramt. Nach dem das Auto unten komplett frei war, Sandbleche positioniert und dann mit Schwung. Hat auf Anhieb geklappt.
Danach noch zusammenpacken und nach 3h war alles erledigt. Zurück blieb ein Loch in der Wüste und meine Zuschauer haben mich auch schnell verlassen. Ich bin froh um diese Erfahrung, aber es hätte nicht sein müssen.




Tozeur (27./28.12.24)







2 Mädels einer Schulklasse haben mich angesprochen, sie sollen im Rahmen eines Schulprojekts Leute auf der Straße interviewen, ob sie mir ein paar Fragen stellen dürfen. Aber natürlich! – gefilmt wurd mit dem Handy.
3x sind wir ihnen noch begegnet und jedesmal haben sie schon von weitem gewunken und gegrüßt.











Filmset, Teil 1-4 (26.12.24)
Des erste Filmset ist dieses gewaltige Festungstor. Es diente als Kulisse für eine arabische Fernsehserie names „Kingdoms of Fire“, die 2019 ausgestahlt wurde.





Bild oben: Hier wird das Brot auf Berber-Art im heißen Sand gebacken, Kuhle – Feuer – Glut raus – Teig in die Kuhle – Sand und heiße Asche drüber – danach Brot raus und ein bisschen abklopfen, fertig. Knirscht ein bisschen zwischen Zähnen, aber gut.
Bild rechts: ein Wüstenfuchs, er wird zum Streicheln angeboten, sicher gegen Gebühr. Da die Art aber geschützt ist hab ich mich nicht auf den Handel eingelassen
Das zweite Filmset ist eine natürliche Felsformation, der auf Grund seiner Form den Namen „Ong Jmal“ trägt, zu deutsch „Kamelhals“.
Hier wurde für die 1999 erschienene Episode I – The Phantom Menace von StarWars gedreht, im August 1997.
Heute ist der Ort touristisch erschlossen, mit den üblichen Verkaufsständen, Andenken.


Das 3. Filmset war dann live, dazu muß ich ein bisschen ausholen:
Alle 4 Filmsets liegen am südlichen Rand eines großen Salzsees, der sich ca 15km nördlich von Tozeur bzw. Nefta befindet. Ich war mit Katja und Joel unterwegs die Piste entlang um die 3 historischen Filmsets zu besuchen. Der Ong Jmal liegt aber 2km nördlich der Piste und Joel ist an der Abzweigung vorbeigedonnert. Ich hab den Abstecher gemacht. Als ich wieder zurück auf der Piste war, hab ich Katia und Joel noch gesehen wie sie auf eine Düne gefahren sind, hinter der sie dann verschwunden sind. Als ich am Parkplatz vom StarWars Drehort „Mos Espa“ ankam war von den beiden nichts zu sehen. Ich habs Auto abgestellt, da kamen mir schon Tunesier entgegen, wild gestikulierend und auf die Düne deutend. Ein Blick, ich sah Katia, Joel und ihr Auto und es war klar: festgefahren! – darum war auch dies jetzt ein Filmset und zwar live!



Ich bin auf die Düne hoch, die beiden haben sich über meine Ankunft gefreut, hatten sich vor 30min festgefahren, sie wollten den Dünenhang nicht runter fahren, drum sind sie parallel zum Kamm und wollten seitlich flacher runter. Ich mußte erst ein paar Bilder machen und ihre Arbeit dokumentieren. Mein Auto diente dann als Ankerpunkt für ihre Winde, Waffle Board (Sandbleche aus Kunststoff) drunter und die Messe war schnell gelesen.
Später hat sich an der gleichen Stelle noch ein Tunesier festgefahren. Ich bin nochmal rauf und hab meine Hilfe angeboten, aber er hat abgelehnt und wollt selber rauskommen mit seinem Pickup. Ohne Bergematerial hat er sich nach geraumer Zeit dann doch rausgewühlt. Inchallah








das letzte Filmset: hier entstanden die Aufnahmen, die den Wüstenplaneten Tatooine in StarWars darstellten, genauer gesagt des Weltraumhafens Mos Espa, einer gesetzlosen Stadt, in der die Einwohner ihr Leben mit Handel, Schrottsammeln und Diebstahl bestreiten. Hier wuchs der junge Anakin Skywalker mit seiner Mutter als Sklave des Schrotthändlers Watto auf.

Invasionstruppen gibt es heute wieder, sie reisen mit dem Pickup an und werden mit Brot auf Berber-Art versorgt!

Mides (24.12.24)
Zuerst die Strecke von Gafsa nach Mides. Mein Navi bietet den Routentyp „malerisch“ an, den hab ich diesmal ausprobiert, denn er verspricht eine Berechnung mit „Abenteuer“. Hier das Ergebnis:















Am Nachmittag des 24.12.24 haben wir dann Mides erreicht und uns entschlossen an Heilig Abend essen zu gehen:





Ganz schüchtern hat er schon am Vortag mir Postkarten verkauft und hat sich riesig gefreut, weil ich gleich 4 Stück genommen hab.






Nathem, shukran für deine Erläuterung und Erklärungen, in französischer und englischer Sprache






Speitla (21.12.24)
Der Name der Stadt klingt zwar fränkisch, aber es eben doch in Tunesien. Die antike Stätte ist eine römische Stadt und hatte wohl im 3.Jahrhundert ihre Blüte.


















Ich werde verfolgt (21.12.24)
Ich hatte 4 wunderschöne Tage im Großraum Tunis verbracht und bin dann Richtung Süden aufgebrochen.
Nach einer ruhigen Nacht auf einem Feldweg bei El Kef bin ich die 5km zurück in die Stadt um die Straße nach Sbeitla (des is ned fränkisch!) zu nehmen. Vor der Stadt am Kreisverkehr hat mich die Polizei gestoppt und damit nahm das Unheil seinen Lauf.
Die Touristenpolizei wurde gerufen um mich „sicher“ zur Straße nach Sbeitla zu bringen. Na die 2 km hätt ich auch alleine geschafft!

Wenige Kilometer weiter wurd ich wieder gestoppt: ‚Sie haben den Auftrag mich „sicher“ nach Sbeitla zu begleiten‘. Zu dem Zeitpunkt fand ichs ja noch witzig, mit Rotlicht (=Blaulicht) gings Richtung Süden. Auf dem Weg war in einem Dorf war Markttag, die Straße voll mit Menschen und abgestellten Autos und ich hinter meiner persönlichen Eskorte hinterher, die mit Licht und Horn mir den Weg bahnte.
Auf den 120km bis nach Sbeitla wurde der Staffelstab der Eskorte 4x weitergereicht und ich zum Parkplatz des archäologischen Museums gebracht, abgezäunt und mit Schranke. Ich bin nach dem Besuch der Ausgrabungsstädte einer alten römischen Siedlung noch in die Stadt hineingefahren, Auto geparkt und zu Fuß in die Innenstadt.
Bei meiner Rückkehr stand die Polizei neben meinem Auto.
‘Ob ich denn hier parken wolle, hier wäre es nicht „sicher“‘.
‘Nein, ich bleibe nicht hier, ich fahre jetzt weiter nach Kasserine.‘
‘Jetzt?‘ – ‘Ist das ein Problem?‘ – ‘Nein, nein!‘
Ich ins Auto und verlasse Sbeitla Richtung Kasserine, die Polizei folgt mir im Abstand von 100m. An der Stadtgrenze haben sie gewendet. Wenige Kilometer weiter wurd ich gestoppt: ‚Sie haben den Auftrag mich „sicher“ nach Kasserine zu begleiten‘ – nochmal 30km, schön langsam nervts: ich kann nicht anhalten um zu pinkeln, ein Foto zu machen, einzukaufen oder mir was anzuschauen, geschweige denn einfachmal Nebenstraßen zu fahren.
In Kasserine angekommen hat die Polizei vor einem Hotel angehalten. ‚Hier könne ich „sicher“ schlafen.‘ – ‚Ich werde hier nicht schlafen‘ – ‚Ja wo wollen sie denn dann schlafen‘ – ‚Na in meinem Caravan‘ – ‚Das ist nicht „sicher“‚ – ich kann das Wort schon nicht mehr hören. ‚OK, wo ist es denn „sicher“, dann bringt mich an einen Ort, wo ich „sicher“ parken kann.‘
Zwischenzeitlich hält ein Tunesier mit seinem Auto neben mir und sagt mit breitem Grinsen auf deutsch: ‚Ui, ein Münchner! Ich wohne in der Maxvorstadt, wo wohnst du?‘ – mit Blick auf die Polizei – ‚hast du Probleme, kann ich dir helfen?‘. Ich hab im kurz mein Leid geschildert. ‚Die übertreiben maßlos‘ war sein Kommentar. ‚Wenn du Hilfe brauchst, komm ich geb dir meine Nummer.‘ Mittlerweile wurden die Polizisten in ihrem Auto unruhig. Sie haben mich vor die Polizeistation gebracht, ‚hier ist es sicher, hier kannst du parken und schlafen‘ – Leute, das ist jetzt nicht euer Ernst! wir sind mitten in der Stadt!
Auto zugesperrt, meine Papiere mit genommen und mit den Polizisten in die Station rein und zum Chef ins Büro! Dort wurde mir ein Sitzplatz angeboten, ‚willst du Kaffee, Tee oder ein Wasser?‘ Die Polizisten haben ihm erklärt, daß ich hier nicht parken werde, jedenfalls hat er verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen! ‚Ja was willst du denn machen‘ – ‚Wo muß ich hinfahren, damit ich „sicher“ bin und ich keine Eskorte mehr benötige. Ich möchte alleine fahren, ohne Polizeibegleitung. Wenn ich einkaufen gehe, seit ihr dann ständig bei mir? – oder wollt ihr mich auch auf dem Festival in Tozeur begleiten?‘. Ratlose Gesichter! ‚Wenn das so weiter geht, dann fahre ich zurück nach Tunis und verlasse Tunesien!‘ – ‚Du willst nach Tunis? Jetzt? Du brauchst Tunesien nicht verlassen‘.
Ich hab dann gefragt, ob ich in Gafsa „sicher“ bin. ‚Ja, in Gafsa bist du „sicher“!‘ – ‚Gut, dann fahre ich jetzt nach Gafsa‘ – ‚Jetzt? Sofort?‘ – ‚Ja, sofort, oder ist das ein Problem?‘ – ‚Nein, nein, kein Problem‘ – ich soll nur 5 Minuten warten, bis die Streifenbesatzung zurück ist, die mich begleitet! Bitte, nicht schon wieder! Ich hab dann ausgehandelt, daß sie mich maximal 10km aus der Stadt bringen und ich dann von der Eskorte befreit bin!
Weiter gings mit Rotlicht in den Sonnenuntergang. 20km weiter wurde der Staffelstab der Eskorte wieder übergeben. Na Bravo! Von Kasserine bis Gafsa sind 100km, wenn das jetzt so weitergeht? Ich hab dann den Polizisten erklärt was mit ihrem Chef vereinbart war. Er telefoniert und seine Antwort lautete: ‚Das Problem ist, du bist immer noch im Bezirk Kasserine, wir sollen dich „sicher“ an die Bezirksgrenze bringen, das sind noch 30km, dann bist du frei von der Eskorte. Aber wir müßen uns beilen.‘ Mittlerweile war es dunkel und wir schlichen mit 20km/h über die Landstraße. Es nervt!
Ratet mal, was an der Bezirksgrenze mich bereits erwartet hat! – richtig geraten. Ich hab mich geweigert das Spiel fortzusetzen und die Polizisten haben sich geweigert, mich alleine weiterfahren zu lassen. ‚Wo willst du denn übernachten?‘ – ‚In meinem Caravan, ich such mir einen Platz, wo ich parken kann und dann schlafe ich da.‘ – ‚Ja hast du denn keine Angst?‘ – ‚Überhaupt nicht, aber ich schlage euch einen Kompromiss vor, ich schlafe hier‘ und deutete auf den großen freien Platz wo wir standen. Die Landstraße war wenig befahren, rechts eben besagter großer freier Platz, links die Polizeistation, alles mit Kameras überwacht. ‚Nein, das geht nicht, es ist nicht „sicher“!‘ Ja Himmelarschundzwirn! Ich hab mich meinem Schicksal ergeben und erneut wurde mir versprochen „ab Gafsa kannst du alleine weiterfahren“.
Zum Glück hat das dann geklappt.

Ich hab mir dann bei Gafsa außerhalb der Stadt einen Übernachtungsplatz gesucht, auch blos wieder auf nem Feldweg, aber der mußte genügen, es war stockdunkel und ich war hundemüde und einfach nur ausgelaugt. Am Morgen kamen 2 Tunesier aus dem nahegelegen Haus und haben mir Frühstück gebracht: einen großen dicken Pfannkuchen, in einer Schale eine Mischung aus Dattelsirup und Olivenöl zum eintunken und eine Flasche Wasser.
Eins will ich aber doch noch ergänzen: alle Polizisten waren höflich, wir haben uns gut über andere Dinge unterhalten und gescherzt, sie sagten sie wollen mir nur helfen und mich beschützen. Aber das kann auch zuviel des Guten sein.
Dougga (19.12.24)
Dougga zählt zu den besterhaltenen antiken Städten in Nordafrika. Ihre Blütezeit erlebte die Stadt als Teil der römischen Provinz Africa im 3. Jahrhundert n. Chr. Ihre Geschichte liefert jedoch auch Kenntnisse über die numidische, punische und byzantinische Zeit. Skelettfunde konnten auf etwa 1800–1500 v. Chr. datiert werden, es konnten aber keine weiteren Spuren dieser frühen Epoche nachgewiesen werden konnten. Seit 1997 steht der Ort auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Das heute in unmittelbarer Nachbarschaft liegende Dorf Dougga gilt als direkte Nachfolgesiedlung der antiken Stadt.















Die Einreise (15.12.24)


Nach 11 Stunden Überfahrt hat die Fähre aus Palermo hat um 1 Uhr morgens in Tunis angelegt.
Also alle in die Autos und zur ersten Kontrolle, das war die Polizei für den Einreisestempel. 5 Spuren standen zur Verfügung:
– eine ganz rechts zwischen Kontrollhäuschen und Mauer, da sollten die Wohnmobile sich einordnen
– die anderen waren Doppelspuren, da sollten die PKW sich einreihen
Andersrum wärs einfacher gewesen!
Nachdem Einreisestempel kam der Fahrzeugscanner:
von 5 Spuren auf 2, Wohnmobile links, PKW rechts und gleichzeitig kamen noch von einer anderen Fähre eine Ladung Autos dazu! 5 Beamte koordinerten den Verkehr und jeder von den 5 hatte eine andere Sicht der Dinge.
Nach dem Scannen wurden die Wohnmobile in einen seperaten Bereich gelotst. Warten. Ein Zöllner kommt, will von allen die Ausweise und die Einreisekarte. Wir schauen uns alle fragend an ‚was für eine Einreisekarte?‘. Er zieht einen Stapel Einreisekarten aus der Jacke und legt sie auf einem Betonsockel aus. Wir beginnen die Karten auszufüllen: Name, Anschrift, …, vom Auto: Fahrgestellnummer, Erstzulassung, Hubraum,… – der Zöllner wird ungeduldig. Er nimmt die Einreisekarte, Stempel und Unterschrift drauf und führt alle Leute 200m zurück zum Zollhäuschen. Dort heißt es Anstehen für den Zollstempel im Paß und dann rüber zum nächsten Häuschen. Der Kollege dort braucht Fahrzeugschein, Reisepaß und Einreisekarte, um das Fahrzeug im Paß einzutragen. Nachdem das bei allen erledigt war gings in der Gruppe zurück zu den Autos.
Dort war in der Zwischenzeit helle Aufregung: Jugentliche waren in den Hafenbereich eingedrungen, hatten dort von abgestellten Sattelauflegern Planen aufgeschlitz und auf Ladung inspiziert, einen Kühltransporter aufgebrochen und sich dann aufm Dach einer Lagerhalle versteckt. Sicherheitspersonal der Fährgesellschaften mit Knüppeln hinterher.
Dann wurden wir zur LKW Ausfahrt aus dem Hafengelände geschickt, ohne die üblichen Fragen eines Zöllners. Erster Kontrollpunkt war die Polizei, der hat im Paß geschaut, ob auch der Stempel von der Polizei drin is. Zweiter Kontollpunkt war der Zoll, der hat im Paß nachgeschaut, ob … ihr könnts euch denken.
Nach 4h im Hafen war ich in Tunis. Es war mir egal wie spät es war, ich bin noch 30km gefahren, nur weg vom Hafen!
Es war eine ruhige Nacht am Strand östlich von Tunis.
übrigens:
– unnötigen Platikkram am Auto bauen die Tunesier gleich ab, denn er könnte kaputt gehen und ist teuer. Am Auto sinds meißt Front und Heckschürze, am Motorrad sinds Spiegel, Tacho und Verkleidungsteile.
– nur wenn sich der Reifen dreht kommt man voran: das gilt im Kreisverkehr, an der Engstelle und an der Ampel, das Auto rollt solange bis wirklich nichts mehr geht. Wenn meine Ampel grün zeigt, heißt das noch lange nicht daß der Querverkehr auch steht. Das gilt auch fürs Überholen, wenn links schon dicht is, dann geht rechts vielleicht noch was!
– Rückwärts fahren tun die Tunesier sehr ungern, denn das geht nicht vorwärts.

Grias di Sepp,
dank da sche, i hoff Du hast a scheene Weihnachten ghabt und kummsd a guad und gsund ins neie Johr.
Zum Glück war nach Gafsa dann Schluß und jetzt bin i wieda ohne Schatten unterwegs.
I hob a Paar aus Frankreich droffn, de san oan Dog nach mir de gleiche Streck gfoarn und dene is genauaso ganga. Des bin ned blos i, der den Service griagt.
I hoff mia seng uns nächsd Johr. Bis dahin ois Guade.
Gruaß, da Bernhard
Wenn man reist hat man auch was zu erzählen 🙂 . Deine meisten Erlebnisse erlebst du offensichtlich mit der Polizei.
Ich hoffe es geht bei deinen weiteren Fahrten wieder normaler weiter, ohne Eskorte, wobei so eine Eskorte sicher nicht jeder bekommt!
Wünsche dir noch viele tolle Eindrücke auf deiner Reise und immer „freie Fahrt“.
Frohe, gesegnete Weihnachten und ein glückliches, friedliches Neues Jahr.
Ich bleib dir auf den Versen 🙂
liebe Grüße
Sepp