
10.10.26: kein Visum da für Guinea ==> ich muß zurück nach Dakar – coming soon
Diannah, Senegal (20.9.-10.10.26)
Jamal ist zurück in Gambia und unterwegs nach Tendaba, ich fahre nach Diannah, das ich schon von vorherigen Besuchen kenne.



Regenzeit in Westafrika:
Regenzeit bedeutet, daß es entweder täglich gegen 14 Uhr regnet und viel Wasser auf einmal runterkommt, oder es regnet einfach den ganzen Tag so vor sich hin und die Regenmenge verteilt sich über den Tag. Wassermengen zwischen 60 und 150 Liter ist ganz normal. Entsprechend schauen die Straßen und Pisten aus. In den Straßen fließt das Wasser nicht ab, eventuell vorhandene Entwässerungskanäle sind meist mit Plastiktüten verstopft. Somit bilden sich über die Zeit schöne grünschillernde Algenteppiche in den Pfützen, der sandig lehmige Untergrund ist aufgeweicht und läßt sich durch die Reifen wunderbar zu Spurrillen formen. Frösche und jegliche Art von Insekten erfreuen sich an den Pfützen, von denen man nie weiß, wie tief sie sind. Natürlich duftet auch jede Pfütze anders.
Aber das wäre alles noch zu Händeln, aber dann kommt die Sonne. Die Lufttemperatur steigt von 25° auf über 30° und somit auch die Luftfeuchtigkeit auf 90% und mehr. Man ist im nu klitsch nass geschwitzt. Das Problem: nur in der Sonne, im Freien trocknet die Kleidung im Laufe des Tages. Im Aufbau zieht die Feuchtigkeit nicht mehr ab und man produziert viel davon: beim Duschen, Kochen, Atmen und Schwitzen, die aufgehängte feuchte Kleidung oder Geschirrtücher. Das Salz rieselt nicht mehr, da hilft auch kein Reis. Alles was rosten kann wird das auch tun. Momentan bin ich ja eher eine Standuhr wie ein Reisender, darum kann ich den ganzen Tag alle Fenster und die Tür offen lassen, um zu lüften. Andere Reisende haben berichtet, daß ihnen die Kleidung in den Schränken angefangen hat zu schimmeln. So schlimm ist es jetzt bei mir noch nicht, aber gerade im Bad muß ich schon aufpassen.
Und man macht Bekanntschaft mit allen Insekten, die es warm und feucht mögen. In den Gabelstaplertaschen vom Container habe ich Holzbalken eingelagert. Dort hat sich eine Ameisenkolonie eingenistet, die dann auch den Weg ins Innere gefunden hat.
Ich mach die Schranktür in der Küche auf und eine Schabe sitzt der Kunststoffbox vom Besteck und schaut mich fragend an. Auch Termiten schaffens irgendwie unterm Mückengitter durchzukommen. Ich glaub den Rest könnt ihr euch denken, auch wenn ich nicht weiter ins Detail gehe.



Insa:
Insa habe ich bei meinem vorherigen Aufenthalt kennengelernt. Er hatte im Kindesalter einen Unfall und er kann deshalb nur auf Krücken laufen, aber nur kurze Strecken. Irgendjemand hat ihm einen Krankenfahrstuhl mitgebracht, den er von Elektroantrieb auf Benzin umgerüstet hat. Im Laufe der Jahre waren aber die Kunststoffreifen abgefahren, unrund und ohne Profil. Aus Deutschland habe ich ihm 4 neue Sackkarrenreifen aus Gummi mit Schlauch mitgebracht, das Paar für 17,-€. In Senegal nicht erhältlich. Manchmal ist es nicht schwer jemanden glücklich zu machen.
2 Tage später, er will mit mir sprechen – unter 4 Augen. Sein Gesichtsausdruck spricht Bände. Wir ziehen uns zurück. ‚Was ist los?‘ – ‚Ich hab heute Nacht nicht schlafen können. Ich weiß nicht, wie lange ich noch leben werde. Der Arzt hat gesagt, ich habe eine Infektion in der Leber.‘ Er war am Vortag im Krankenhaus 60km entfernt, weil er immer wieder Schmerzen am Brustkorb hat. Dabei hat der Arzt auf dem mitgebrachten Röntgenbild die Leberinfektion festgestellt und Blut abgenommen. Das Ergebnis der Blutuntersuchung bekommt er in 2 Monaten!
Ich laß mir das Röntgenbild zeigen und frage Insa, wo der Arzt die Leberinfektion gesehen haben will. Insa deutet auf das Röntgenbild, auf das Organ unterhalb der Herzspitze! Ich werd stutzig. ‚Und wo hat der Arzt an deinem Körper hingedeutet, wo soll die Infektion sein?‘ Insa deutet auf die rechte Seite an seinem Körper.
Ich sage zu Insa: ‚Das ist das Herz‘ und deute auf Röntgenbild an die entsprechende Stelle. ‚Das Herz ist im Körper leicht nach links gedreht. Das Organ darunter ist die Milz. Die Leber sitzt rechts im Körper. Wenn der Arzt also auf dem Röntgenbild auf deine linke Körperseite gedeutet hat, dann ist das nicht die Leber! Wieso spricht er dann von einer Leberinfektion? – Da stimmt was nicht.“ – „Was soll ich jetzt tun?“ – „Geh zu einem anderen Arzt und hol dir eine 2.Meinung. Laß nochmal eine Blutuntersuchung machen und sieh zu, daß die Ergebnisse schneller verfügbar sind.“ Insa war deutlich beruhigter, konnte die folgende Nacht schlafen. 2 Tage später kam er zu mir, der 2.Arzt sagte auch, daß er nicht an eine Leberinfektion glaubt. Weitere Untersuchungsergebnis stehen noch aus, aber Insa ist erstmal sichtlich erleichtert.


ein paar Bilder:






















Tendaba, Gambia: (1.9.-20.9.26)
Zu diesem Zeitpunkt ahne ich noch nicht, daß ich vergeblich auf mein e-Visum für Guinea warten werde und setzte meine Reise fort, mit Ziel Tendaba, Gambia. Ein nettes kleines Fischerdorf am Gambia-Fluß.


Fußball in Tendaba:
Bild rechts: Ich steh seit einer Woche in Tendaba und hab schon bei ein paar Fußballspielen zu geschaut, da klopfts an meiner Tür. Ein Herr überreicht mir ein Einladungsschreiben zum Turnierfinale am nächsten Sonntag und frägt nach ob ich kommen würde. ‚Natürlich, sehr gerne‘ – wow!
Einheimische erklären mir die später die dazugehörigen Regel der Einladung: man gibt vor Beginn des Spiels dem Komitee die gefaltet Einladung zurück, in der man aber einen Geldbetrag gehüllt hat.
Auf meine Frage, was denn angemessen und üblich ist bekomme ich die afrikanische Antwort: „wieviel du möchtest“!
Von anderen Leuten habe ich dann erfahren, daß 500 Dalasi (ca 6,-€) ok sind. Dafür gabs dann ein Sitzplatz im Stuhl, ein Wasser und ein 0,3l Dose Limo und ein Spiel voller Emotionen, incl. roter Karte wegen Schiedsrichterbeleidigung nach einer ungünstigen Entscheidung.


Sarjo, alias Jamal – Teil 1:
Während meines Aufenthaltes in Tendaba habe ich Sarjo kennengelernt, 21 Jahre alt, Spitzname Jamal. Er wohnt im Haus schräg gegenüber meinem Stellplatz.
Eines Tages schenkt mir Jamal diesen 45cm großen Fisch, den ein Freund von ihm vom Fischfang aufm Fluß mitgebracht hat. Für mich allein viel zu viel, also habe ich Jamal zum Essen eingeladen.
Jamal hat der für ihn unbekannte Kartoffelsalat so gut geschmeckt, daß davon fast nichts übrig blieb – das waren aber fast 800g!







diesmal Pfannkuchen mit Zucker. Auch sowas kannte er nicht. Sie haben ihm so gut geschmeckt, daß er in den nächsten Tagen noch 2mal kam und gebeten hat, ob ich nochmal Pfannkuchen machen könnte.


… und eine Haut, die zum Trocknen in einer Pirogge lag

Ich werd krank:
Eines Tages wach ich auf mit erhöhter Temperatur! Leichter Husten, ein bisschen läuft die Nase, Gliederschmerzen. Am 3.Tag ist die Temperatur immer noch nicht weg – ungewöhnlich für mich. Ich entschließ mich ins Krankenhaus nach Kwinella nach zugehen: Ausschluß Malaria.
Jamal erklärt sich sofort bereit, mich die 4km mitm Motorrad dorthin zu fahren.
Die Ärztin erhebt die Anamnese, mißt Blutdruck, Puls und Sauerstoffsättigung, mißt die Temperatur.
Der Malariatest ist negativ. Ich bezahle meine Arztrechnung: 25 Dalasi, das sind etwa 30 Cent.
Am nächsten ist die Temperatur weg und es geht die nächsten Tage wieder bergauf.
Sarjo, alias Jamal – Teil 2:
Jamal hat am 15.9. einen Termin im Krankenhaus in der Nähe der Hauptstadt Banjul, etwa 140km von Tendaba entfernt. Nach 4 Tagen kommt er zurück nach Tendaba und kommt sofort zu mir, noch bevor er nach Hause geht. Völlig aufgelöst erzählt er mir, daß die Ärzte gesagt haben, sein Herz sei gefährdet und er braucht 2 spezielle Medikamente, die er in Gambia nicht bekommt, sondern nur in Senegal.
(zur Erinnerung: in Deutschland stellt der Arzt ein Rezept aus, damit gehen wir in die Apotheke. Ist dieses Medikament nicht vorrätig greift die Apothekerin zum Telefon und frägt in der Nachbarapotheke nach. Ist es da auch nicht vorrätig sagt sie: ‚muß ich bestellen, is morgen um 9.00 Uhr da‘.)
Da ich 2 Tage später sowieso weiter nach Senegal will biete ich ihm spontan an, daß ich ihn mitnehmen kann, damit er seine Medikamente besorgen kann.
„Ich habe keinen Ausweis!“ Aus dem Internet erfahre ich, daß es auch in Gambia ein Notfalldokument gibt, das den Grenzübertritt erlaubt.
Am 20.9. starten wir Richtung Senegal, 130 km zur Grenze, ausgerüstet mit ärztlichem Rezept und der Geburtsurkunde.
Jamal erklärt dem Grenzpolizisten in Gambia die Situation, der greift in die Schublade, holt ein DIN A5 Vordruck hervor, füllt das Papier aus, Stempel drauf, Jamal bezahlt 100 Dalasi (ca. 1,20€) – fertig. Nachdem auch ich meine Ausreise gemacht habe fahren wir weiter zum senegalsischen Grenzposten. Der will nochmal 200 Dalasi von Jamal für den Stempel – „Bearbeitungsgebühr“. Jamal fragt den Beamten noch, ob das damit erledigt ist oder bei der Ausreise nochmal eine Gebühr fällig wird. ‚Nein, das wars‘ sagt der Beamte. Die erste Hürde ist geschafft, wir sind in Senegal.
Jetzt brauchen wir eine Apotheke. Am vielversprechendsten ist der Ort Kafountine, denn da gibt es ein kleines Krankenhaus und 2 Apotheken. Tatsächlich werden wir in der 2 Apotheke fündig. Jamal kauft seine Medikamente, die er für die nächsten 3 Monate benötigt. Er ist überglücklich, daß sein Herz wieder gesund werden kann.
Ich fahre Jamal die 35km zurück zur Grenze und gehe mit ihm noch zur Grenzpolizei.
Er reicht dem Beamten am Schalter sein Notfalldokument, dreht sich zu mir um und sagt: „der will 300 Dalasi von mir!“ – ich antworte Jamal: „Nein, sag ihm was der andere Beamte vorhin gesagt hat, daß kein Gebühren mehr fällig werden“. Der Beamte stempelt und gibt Jamal missmutig den Zettel zurück. Wir gehen noch ein paar Schritt, Jamal dreht sich um, schaut mich an und sagt:
„Wir werden uns nicht wiedersehen – richtig“ – „Richtig“

schlechte Nachrichten (22.8. – 31.8.26)
Natürlich hatte der Rückflug 1 Stunde Verspätung. Danke Douda, daß du solange gewartet hast und mich zum Auto nach Popenguine gebracht hast.
Auto wieder in Betrieb nehmen: Batterien aktivieren bzw. anklemmen, Wasser auffüllen, neuen Boiler einbauen, kaputten Außenspiegel wechseln, Kühlschrank auffüllen, Sachen verräumen und so weiter. Dann erreichen mich 2 schlechte Nachrichten:
– vor 1 Jahr wurde die Bank meiner Kreditkarte von einer anderen Bank übernommen. Bis jetzt konnte ich die alte Kreditkarte weiterbenutzen. Jetzt fällt der neuen Bank ein, daß die alte Karte durch eine neue ersetzt werden muß. ‚…das Design hat sich geändert, sonst bleibt alles gleich … 4 Wochen nach Erhalt der neuen Karte deaktivieren wir ihre bisherige Karte.‘ – What! Na prima, jetzt liegt die neue Karte in München!
– Meine weitere Reise sollte nach Guinea führen, aber am 1.8.26 hat Guinea Guinea hat die Bearbeitungszeiten für E-Visumanträge auf bis zu 45 Tage verlängert für Staatsangehörige der Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Grund: im Rahmen des Prinzips der Gegenseitigkeit hat Guinea neue, strengere Regeln eingeführt hat ==> streitn deans, de obrigen, und i sois ausbodn!
Mein Plan: Reise langsam Richtung Süden fortsetzen, das Ende der Regenzeit abwarten, in der Zwischenzeit E-Visum per E-Mail erhalten und dann in Bissau die neue Kreditkarte abholen, die ich mir dorthin per
dhl-express, incl. Zollerklärung, für zarte 110,-€ schicken lasse.
Heute, am 9.10., sind die 45Tage Bearbeitungszeit um und mein e-Mail Postfach ist leer. Die Kreditkarte ist mittlerweile in Bissau angekommen und wartet auf mich im Verbindungsbüro der deutschen Botschaft.
Ich bin mittlerweile 400km südlich von Dakar, also in der Casamance! In Dakar hat Guinea eine Botschaft, die, wie ich mittlerweile erfahren habe, ein Expressvisum ausstellt – mit Expressgebühr versteht sich.
Die einzig sinnvolle Lösung um nach Dakar zukommen: ab Ziguinchor, das liegt auf meinem Weg nach Bissau, gibt es eine Schiffsverbindung nach Dakar, 4x die Woche. Also Auto aufn Campingplatz stellen, mitm Schiff nach Dakar, mitm Taxi durch die Stadt zur Botschaft, das Visum holen und dann wieder zurück!
Wenn einer eine Reise tut, dann hat er was zu erzählen! – ich könnt ins Tischeck beißn.

Deutschland (28.7. – 21.8.26)



es wird ein Wunsch bleiben!


Es war irgendwie ein komisches Gefühl:
– vor ein paar Wochen bin ich die Strecke mit dem Auto gefahren, über Wochen und Monate, 6000 km.
– jetzt, bin ich in 9 Stunden wieder in München, all die netten Menschen, die ich getroffen hab und all die Erlebnisse und Erinnerungen, 11km unter mir, sie ziehen an mir vorbei!
– Ankunft in München 8.00 Uhr, nach Monaten wieder deutsch sprechen. Ich schiebe mein Gepäck durch den Zoll. Irgendwie kann ich es noch nicht „fassen“! Mein Kopf ist noch in Afrika – ich fühl mich fremd in gewohnter Umgebung.
Erstmal frühstücken – was für eine Gaumenfreude, wie hab ich das vermißt.
Daheim angekommen erstmal Einkaufen








es endet wie es begonnen hat, mit am boarisch Frühstück!
21.8.: Rückflug über Rom. Im Gepäck:
ein neuer Boiler mit 5 Opferanoden als Reserve, 2 Außenspiegel, 4 Sackkarrenreifen, 1L Feinöl, 1kg Natronpulver, div. Schläuche und Kabel, 1 Kugelhahn, Silikondichtmasse, etc. – was ma halt üblicherweise mitnimmt, wenn ma in Urlaub fliegt. Ob das gut geht?
Bin echt neugierig was der Zoll in Senegal dazu sagen wird. Hoffentlich kommt alles heil und vollständig an.
